Wunsch von Dr. Walter Lübcke

„Am alten Stadtschloss“ statt „Steinweg 6“: Noble Adresse für RP?

Heute thront das Regierungspräsidium über der Fulda: Die Bauarbeiten für das Bürohaus waren 1957 begonnen worden. Im Vordergrund ist das Rondell zu erkennen. Archivfoto: Koch

Kassel. Wer den Weg Richtung Rondell an der Fulda betrachtet, erkennt Reste des ehemaligen Landgrafenschlosses. Die Erinnerung daran möchte Kassels Regierungspräsident gern.

Anlässlich des im kommenden Jahr bevorstehenden Jubiläums zum 150-jährigen Bestehen des Kasseler Regierungspräsidiums wünscht Dr. Walter Lübcke (CDU) sich deshalb, dass die Adresse seines Amtssitzes künftig nicht mehr Steinweg 6, sondern „Am alten Stadtschloss“ lautet. So bat Lübcke die Mitglieder des Ortsbeirates Mitte jetzt darum, diesen Vorschlag wohlwollend zu prüfen. Jubiläum und Umbenennung sollen dann im Sommer 2017 mit einem Bürgerfest gefeiert werden.

Der Wunsch, die Adresse des Regierungssitzes zu ändern, bestehe schon seit einigen Jahren, erläutert Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums.

Bereits zum 1100. Stadtjubiläum Kassels im Jahr 2013 sei man das Thema angegangen, damals hatte man nach Rücksprache den Vorschlag „Schlossplatz“ für die neue Wunschadresse im Sinn.

Vorläufer des Regierungspräsidiums: Das Regierungs- und Gerichtsgebäude der Königlich Preußischen Regierung wurde 1882 fertiggesellt und im Zweiten Weltkrieg zerstört. Archivfoto: privat / nh

Aus Sicht des Fremdenverkehrs habe sich dieser Begriff jedoch als problematisch herausgestellt, da viele Besucher, die eigentlich zum Schloss Wilhelmshöhe wollen, irrtümlich beim Regierungspräsidium landen könnten. Alle anderen Adressen blieben von dieser Änderung übrigens unberührt, schreibt Lübcke weiter.

Dabei erinnert der Regierungspräsident in seinem Brief an den Ortsbeirat Mitte daran, wie geschichtsträchtig dieser Ort an der alten Befestigungsanlage am Rondell in der Stadt ist. Denn das heutige Regierungspräsidium steht nach Auffassung vieler Historiker dort, wo im Jahr 913 die Urkunden ausgestellt wurden, die als erste historisch belegte Nachweise Kassel erwähnten.

RP will zur Sitzung kommen

Der Ortsbeirat wird sich in einer seiner nächsten Sitzungen mit dem Wunsch des Kasseler Regierungspräsidenten befassen und voraussichtlich das Angebot Lübckes annehmen, das Thema den Stadtteilvertretern persönlich zu erläutern.

Hintergrund zum Schloss

Es war ein prachtvolles Schloss „mit einem gewaltigen steinern Fuß, hölzern Stockwerk, hübschen Spitzen und Zinnen“, das Landgraf Ludwig II. im Jahr 1466 anstelle einer fast 200 Jahre alten Burg am hohen Ufer der Fulda errichten ließ.

Das landgräfliche Residenzschloss in Kassel vor 1811: Im Hintergrund ist die Alte Brüderkirche zu sehen, die 1298 in der Nähe der Fulda als Gotteshaus des Karmeliterordens erbaut worden war. Archivbild: nh

Landgraf Philipp I. begann 1757 die umfassende Erneuerung und Erweiterung des Schlosses, das an die Stadtbefestigung angeschlossen war. Fast unverändert stand es so bis zum 24. November 1811. Napoleons Bruder Jérôme, der damals in Kassel als König von Westfalen residierte, hatte im Schloss eine Art Zentralheizung einbauen lassen, die den hölzernen Fußboden zum Glühen brachte und ein Feuer entfachte, das ein Drittel des Schlosses zerstörte.

Kurfürst Wilhelm I. ließ 1816 den Bau einer monumentalen Chattenburg beginnen, die nie vollendet wurde. Auf diesen Grundmauern entstand 1882 das Regierungs- und Gerichtsgebäude der Königlich Preußischen Regierung zu Cassel, das bei der Bombardierung Kassels im Oktober des Jahres 1943 zerstört wurde.

In den Jahren 1957 bis 1960 wurde das heutige Regierungspräsidium gebaut. Mehr zu der Geschichte gibt es im HNA-Regiowiki.

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