Ab 29. April geeröffnet: Werke des Pariser Fabrikanten Paul-Marie Balin

Tapetenausstellung in der Neuen Galerie: Papier wie aus Gold und Seide

Die Restauratorin: Kadri Kallaste hat die Tapeten bearbeitet.

Kassel. An der Wand hängt ein feiner Seidenstoff mit Stickereien, daneben  bunt bemalte Keramikfliesen und braune Holzstreben. Beim näheren Betrachten fällt allerdings etwas auf.

Hier handelt es sich weder um Keramik noch um Holz oder gar um Seide. Es sind Tapeten vom Pariser Tapetenfabrikanten Paul-Marie Balin (1832 bis 1898). Rund 40 seiner Luxustapeten ziehen derzeit in die Neue Galerie ein. Ab Freitag, 29. April, kann die Ausstellung, die unter dem Motto „Schöner Schein“ läuft und eine Reise durch die Zeit des Historismus verspricht, besichtigt werden.

Bei den Vorbereitungen für die Ausstellung, die derzeit im Untergeschoss hinter verschlossenen Türen stattfinden, hat die gebürtige Estländerin Kadri Kallaste (33) eine der wichtigsten Aufgaben. Sie ist Tapetenrestauratorin und hat in den vergangenen Monaten dafür gesorgt, dass die Kunstwerke in einem makellosen Zustand aufgehängt werden können. „Auf manchen waren zum Beispiel Schimmelsporen oder Staub. Die habe ich dann erst mal gereinigt“, sagt die 33-Jährige, die Papierrestaurierung studiert hat. Manchmal müssten Tapeten auch richtig gewaschen werden, bevor sie überhaupt öffentlich gezeigt werden können. „Das war hier aber gar nicht nötig. Alle waren in einem guten Zustand.“

Die Tapeten in der Ausstellung sind Leihgaben aus anderen Museen. 16 Stück sind aus dem Museum für angewandte Kunst in Wien. Andere kommen unter anderem aus dem Victoria and Albert Museum in London. Bis zu 130 französische Franc (rund 20 Euro) kostete eine der Tapetenrollen im 19. Jahrhundert. „Das war sehr teuer. Eine Wäscherin hat zu dieser Zeit drei Franc am Tag verdient“, betont Astrid Wegener, die Leiterin der Sammlung Deutsches Tapetenmuseum.

Die schwierigste Aufgabe für eine Tapetenrestauratorin sei die Retusche der Fehlstellen. „Hier musste ich zum Beispiel eine Stelle ausbessern“, sagt Kadri Kallaste und zeigt auf den Rand einer hellblauen Tapete mit Stickereien. „Ich nehme dafür dünnes Japanpapier.“ Für den richtigen Ton mischt die Restauratorin Wasserfarbe und Kreidepulver zusammen. „Man braucht ein sehr gutes Gespür für Farben, um den richtigen Ton zu finden.“

Nicht nur viel handwerkliche Kleinstarbeit steckt hinter der Ausstellung, sondern auch enorme Recherchearbeit. „Fünf Jahre haben wir in die Forschung rund um Balin investiert“, sagt Astrid Wegener. Denn den Besuchern werden nicht nur die Tapeten präsentiert, sondern sie erleben auch, wie Balin auf die Ideen für seine außergewöhnlichen Muster und Ornamente gekommen ist. „Über Balin gibt es kaum Informationen in Büchern oder Artikeln“, sagt Wegener. Durch die Zusammenarbeit mit zahlreichen Ausstellern auf der ganzen Welt seien schließlich genügend Informationen zusammengekommen, dass pünktlich zur Ausstellung auch ein Katalog über den Tapetenfabrikanten erscheint.

Während der Besucher in den meisten Räumen ins 19. Jahrhundert zurückversetzt wird, erwartet ihn im „Visual Room“ ein Zeitsprung ins Jetzt. Mit einem Tabletcomputer wählt man die Wunschtapete aus, die dann mithilfe eines Projektors innerhalb weniger Sekunden den ganzen Raum schmückt.

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