Forderung: Taxifahrten zu Ärzten in Fußgängerzone erlauben

Viele Arztpraxen, aber Zufahrt verboten auf der Wilhelmsstraße: Von links Manfred Alter von der „Interessengemeinschaft der Kutscherinnen und Kutscher“ (IGK), Allgemeinmediziner Dr. Martin Erdmann sowie die IGK-Mitstreiter Jack Böttcher und Walter Leimbach mit Unterschriftenlisten, die derzeit in vielen Arztpraxen im Viertel ausliegen. Foto:  Koch
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Viele Arztpraxen, aber Zufahrt verboten auf der Wilhelmsstraße: Von links Manfred Alter von der „Interessengemeinschaft der Kutscherinnen und Kutscher“ (IGK), Allgemeinmediziner Dr. Martin Erdmann sowie die IGK-Mitstreiter Jack Böttcher und Walter Leimbach mit Unterschriftenlisten, die derzeit in vielen Arztpraxen im Viertel ausliegen.

Kassel. Taxis und Mietwagen soll es erlaubt werden, im Fußgängerzonenbereich rund um die Wilhelmsstraße Patienten zu Arztpraxen zu fahren und dort auch abzuholen.

Für diese Forderung an die Stadt haben Fahrer bei Patienten und Praxisbeschäftigten bisher über 500 Unterschriften gesammelt. „Wir bekommen jeden Tag weiteren Zuspruch“, sagt Manfred Alter von der „Interessengemeinschaft der Kutscherinnen und Kutscher“ (IGK), die hinter der Aktion steckt.

Über Probleme in diesem Bereich klagt das Fahrgastgewerbe schon seit Längerem. Viele Patienten, vor allem im Seniorenalter, hätten Schwierigkeiten mit dem Gehen. Von Pflegeheim- oder Klinikmitarbeitern würden sie in die Taxis oder Mietwagen gesetzt mit der Anweisung, die Passagiere zu einer der etwa 50 Arztpraxen rund um Opern- und Wilhelmsstraße zu bringen. Dort aber dürfen die Chauffeure nicht hineinfahren. Tun sie es doch, bekommen hilfsbereite Fahrer prompt die Quittung in Form eines Strafzettels.

Manfred Alter schätzt, dass an jedem Werktag etwa 50 Kasseler Taxis und Mietwagen mit solchen Arzttouren in der Fußgängerzone zu tun haben - „und noch einmal so viele von außerhalb“. Im Sinne der Fahrer und Patienten müsse es „eine kontrollierte Lösung“ geben, fordert der IGK-Sprecher: „Ich kann doch einen Fahrgast mit Rollstuhl oder Krücken nicht ein paar Hundert Meter vor der Praxis abladen und sagen: Sieh zu, wie du bis zum Doktor kommst.“

Das städtische Verkehrsdezernat hat bisher angeboten, dass sich die Probleme durch Geldzahlungen beseitigen ließen: Eine autogebundene Ausnahmegenehmigung zum Befahren der Fußgängerzone sei für 180 Euro zu erhalten. Funktionäre des Kasseler Taxigewerbes haben dies bereits als utopisch zurückgewiesen und vorgerechnet, bei etwa 160 Taxis müsste die Branche pro Jahr Genehmigungen für 30.000 Euro kaufen, ohne dass sich dies auch nur annähernd rentiere.

Die Kutscher-IG hat zusammen mit ihrer Unterschriftenaktion nun einen anderen Vorschlag ins Gespräch gebracht: „Wir möchten keine generelle, sondern eine zeitlich begrenzte Durchfahrt zu den Öffnungszeiten der Arztpraxen“, sagt Alter. Eine ähnliche Regelung existiere schon für den Lieferverkehr in diesem Bereich.

Stempel gegen Missbrauch 

Um einem Missbrauch vorzubeugen, könnte man die Fahrer verpflichten, mit ihren Passagieren in die Praxis zu gehen und sich dort eine Bestätigung ihres Fahrauftrags zu holen. Um in der Zwischenzeit einen Strafzettel zu vermeiden, könnte im Auto etwa ein Schild „Notwendige Arztfahrt“ ausgelegt werden.

Für eine zeitlich begrenzte Durchfahrtserlaubnis wäre keine kostenpflichtige Sondergenehmigung notwendig, meint Alter. „Es hätte auch den Vorteil, dass die Regelung bei anhaltendem Missbrauch jederzeit widerrufen werden kann.“

Momentan sei die Lage jedenfalls „für alle unbefriedigend“, sagt Dr. Martin Erdmann, der an der unteren Wilhelmsstraße eine Allgemeinarztpraxis betreibt. Er würde sich von der Stadt „eine flexible Lösung wünschen“.

Hintergrund: Zwei Interessenvertretungen für Taxi-Fahrer

Bisher etwa 40 Mitstreiter hat die „Interessengemeinschaft der Kutscherinnen und Kutscher“ (IGK), die sich laut ihres Sprechers Jack Böttcher als Sprachrohr von Taxi- wie auch von Mietwagenfahrern versteht. Mit diesem Ansatz grenze sich die IGK bewusst ab von der „Interessengemeinschaft Kasseler Taxifahrer“, die sich bereits im Sommer 2014 formiert hatte. Motivation für diesen Zusammenschluss war hauptsächlich die Forderung gewesen, dass die Stadt mehr gegen das Abwerben von Taxifahrgästen durch Minicars tun solle. Die Taxifahrer-IG betont den schutzwürdigen Sonderstatus von Taxis als öffentliche Verkehrsmittel.

Demgegenüber habe die Kutscher-IG „nicht Konfrontation, sondern Zusammenarbeit zum Ziel“, sagt Böttcher. Die IGK sei ebenso für Minicar-Fahrer offen, wolle sich Mitte März als Verein konstituieren und einen Vorstand wählen.

Informationen: www.facebook.de/igkutsche

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