Kasseler Kaufleute: Zustände am Friedrichplatz „unerträglich“

Trinkerszene wird zum großen City-Problem

+
Beliebter Platz bei gutem Wetter: Die Szene hält sich auch gern auf den Treppenstufen am Friedrichsplatz auf. Bis zu 60 Frauen und Männer treffen sich hier.

Kassel. Als „unerträglich“ bezeichnet Gerhard Jochinger, Vorsitzender der City-Kaufleute, den Zustand auf dem Kasseler Friedrichsplatz.

Dort hält sich auch in diesem Sommer wieder die Trinker- und Drogenszene auf.

Viele Kunden fühlten sich belästigt und beschwerten sich, sagt Jochinger. „Die kommen einmal zu uns und stimmen dann mit den Füßen ab.“

Die Situation habe sich in den vergangenen Wochen dermaßen verschlimmert, dass die Parkhausgesellschaft der Stadt Kassel, bei der Jochinger auch Geschäftsführer ist, in dieser Woche einen Brief an den Magistrat geschrieben hat. Darin heißt es, dass die Sicherheitsfirma täglich das Ordnungsamt rufen muss, weil es zu Problemen mit der Szene kommt.

Die Fluchtwege der Tiefgarage entlang des Friedrichsplatzes würden von der Szene als WC benutzt und müssten ein Mal in der Woche einer Sonderreinigung mit einem Hochdruckgerät unterzogen werden. „Man bekommt auf der Hälfte der Treppe schon einen Brechreiz, so stark riecht es dort nach Urin und anderen Exkrementen“, heißt es in dem Schreiben. Obwohl die Reinigungskräfte mit Atemschutz arbeiteten, klagten einige danach über Übelkeit und meldeten sich im Anschluss krank.

Die Schäden an dem Gebäude seien mittlerweile so groß, dass eine sehr teure Komplettsanierung, deren Kosten sich im sechsstelligen Bereich bewegen, erfordrelich sei. Jochinger bedauert, dass es der Stadt Kassel nicht gelinge, das Problem in den Griff zu bekommen.

„Wir nehmen das Problem ernst“, sagt Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Mitarbeiter des Ordnungsamtes seien von montags bis samstags mehrfach vor Ort und kontrollierten die Betroffenen im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten. „Wir können diesen Personen aber nicht verbieten, den Friedrichsplatz zu betreten“, sagt Hilgen.

Das sagt die Stadt

Ordnungswidrigkeiten werden verfolgt

Mitarbeiter des Ordnungsamtes seien regelmäßig (mehrfach täglich, montags bis samstags im Rahmen der Streifengänge) auf dem Friedrichsplatz, zeigten Präsenz und führten im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten immer wieder Kontrollmaßnahmen durch, so Sascha Stiebing, Sprecher der Stadt. Auch in präventiven Gesprächen werde versucht, auf das Verhalten der Frauen und Männern aus der Szene einzuwirken. Öffentliches Urinieren, Hinterlassen von Müll oder Lärmbelästigung würden als Ordnungswidrigkeiten verfolgt. Auch von der Möglichkeit des Platzverweises werde dann Gebrauch gemacht. „Doch der bloße Aufenthalt dieser Personengruppe auf dem Friedrichsplatz ist nicht strafbar, sondern rechtens. So sagt es unsere freiheitlich demokratische Grundordnung. Das ist mit Herrn Jochinger auch hinlänglich besprochen und sollte demnach bekannt sein“, macht Oberbürgermeister Bertram Hilgen deutlich.

Die Stadt sei darüber hinaus in fortlaufendem Kontakt mit den Geschäftstreibenden und habe angeboten, sofern akute Belästigungen telefonisch angezeigt werden, schnellstmöglich mit Ordnungsbeamten vor Ort zu sein. In Städten mit der Größenordnung von Kassel kämen solche Szenen nun leider mal vor. Auf dem Friedrichsplatz gebe es aber keinen Kriminalitätsschwerpunkt. Das bestätigten Polizei und Ordnungsamt. Die Beschwerden über die Trinkerszene stammten größtenteils von Passanten oder direkten Anliegerbetrieben. Das Ordnungsamt versuche immer, diesen Beschwerden nachzugehen, so Stiebing.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.