Behandlung dauert wenige Minuten

Ultraschall gegen chronische Wunden: Neue Therapie in Kassel

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Die Behandlung dauert nur wenige Minuten: Wundexperte Rüdiger Röhrig spült Mario Brandaus Wunde mit Hilfe eines speziellen Ultraschallgeräts, das am im Elisabeth-Krankenhaus neu angeschafft wurden.

Kassel. Seit rund einem halben Jahr leidet Mario Brandau unter den Folgen eines Treppensturzes. Eine neue Therapie im Kasseler Elisabeth-Krankenhaus verspricht nun Hilfe.

Bei dem Sturz hatte sich ein ausgedehnter Bluterguss am Gesäß gebildet, der sich zu einer tiefen chronischen Wunde entwickelt hatte. Seitdem er vor zwei Wochen erstmals am Elisabeth-Krankenhaus mit einem neuen Ultraschallgerät zur Wundreinigung behandelt wurde, heilt die Wunde endlich in großen Schritten.

Rüdiger Röhrig, Pflegerischer Leiter der Zentralen Notfallambulanz, freut sich mit dem 48-järhigen Kasseler. Auf Röhrigs Betreiben hin wurde das rund 30.000 teure Gerät angeschafft, das Patienten einen langen Leidensweg, Schmerzen und unter Umständen auch größere Operationen ersparen könne. „Ich war selber erstaunt, wie gut und schnell das funktioniert“, sagt der Wundexperte.

Mithilfe dieses modernen Verfahrens gelinge es, schnell, effektiv, relativ schmerzfrei und schonend für das gesunde Gewebe, chronische Wunden gründlich und so nachhaltig zu reinigen, dass gesundes Gewebe nachwachsen und die Wunde heilen kann.

So funktioniert die Technik

Für die Reinigung Mario Brandaus tiefer Wunde verwendet Rüdiger Röhrig einen Dopppel-Kugel-Aufsatz, durch den ständig Spülflüssigkeit gepumpt wird. Dabei werden per Ulrtraschall so starke Schwingen erzeugt, dass der Geräteaufsatz 25.000mal in der Sekunde vor und zurück schwingt. Auf diese Weise entstehen in der Spülflüssigkeit Vakuumbläschen, die wieder implodieren. Dabei erzeugen sie eine starke Strömung, durch die hartnäckige Beläge und Biofilme, die die Heilung stören beziehungsweise verhindern, aufbricht und ablöst. Die verbliebenen Bakterien des Biofilms können nun vom körpereigenen Immunsystem oder mit Hilfe antimikrobiellen Therapien bekämpft werden.

Rüdiger Röhrig ist zuversichtlich, dass sein Patient Mario Brandau, der unter einer Gehbehinderung aufgrund einer angeborenen Rückenmarksschädigung leidet, bald wieder an seinen Arbeitsplatz als Sachbearbeiter in der Buchhaltung zurückkkehren kann.

Auch die Behandlung eines Patienten, dessen Fuß nicht mehr heilen wollte, nachdem dieser von einem Baufahrzeug überfahren wurde und Hautgewebe abstarb, mache große Fortschritte, schildert Röhrig. Ebenso bewähre sich das Verfahren bei chronischen Wunden an Füßen, Beinen und Händen, unter denen häufig Diabetiker leiden.

Bei der herkömmlichen Therapie chronischer oder schwieriger Wunden würden schädliche Beläge und geschädigtes Gewebe in der Regel mit einem so genannten scharfen Löffel abgetragen und mit Gel-Verbänden behandelt. Dies sei häufig sehr schmerzhaft, weshalb minuter eine Vollnarkose nötig sei. Zudem seien die Therapie oft sehr langwierig, erläutert Röhrig zum Vergleich.

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