Arbeitskreis Denkmalschutz hält Pläne für misslungen

Umbaupläne an der Friedrichsstraße in Kassel: Kritik an Aufstockung

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Geschlossenes Erscheinungsbild: Der 50er-Jahre-Bau an der Friedrichsstraße 14 (Bildmitte) soll um zwei Etagen aufgestockt werden. An den Plänen der Firma DGS gibt es jetzt Kritik.

Mitte. Gegen die Pläne, einen 50er-Jahre-Bau in der Häuserzeile an der Friedrichsstraße in Kassel aufzustocken, regt sich Kritik.

Wie kürzlich berichtet, will das Kasseler Unternehmen DGS Management das Bürohaus Friedrichsstraße 14 – direkt gegenüber dem Parkhaus – um zwei Geschosse erweitern. Die Bauarbeiten sollen schon bald beginnen.

Das Vorhaben lasse „jedes städtebauliche Gespür vermissen“, meldet sich jetzt der Kasseler Arbeitskreis Denkmalschutz und Stadtgestalt zu Wort. Bislang zähle das Gebiet zu den wenigen, die eine durchdachte Gestaltungsweise des Wiederaufbaus nach dem Krieg unverfälscht zeigten, sagt Sprecher Dr. Christian Presche. Die „harmonische Geschlossenheit“ der Häuserzeile werde nun zerstört.

Ragt heraus: So soll das Gebäude nach dem Umbau aussehen.

Das Haus Nummer 14 habe bisher geschickt zwischen den beiden fünfgeschossigen Gebäuden rechts und den übrigen viergeschossigen Bauten der Straße vermittelt, sagt Presche. Dies sei nach der Aufstockung nicht mehr der Fall. Verschlimmert werde das Ganze noch durch die vertikale Fassadengestaltung, die die horizontale Gliederung der Zeile durchbreche. Sollte die Aufstockung nicht mehr abwendbar sein, könne man mit der Beibehaltung der waagerechten Gestaltung „diese Bausünde zumindest ein wenig abmildern“, sagt Presche.

Seine Kritik richtet sich auch gegen den Bebauungsplan in dem Gebiet. Dieser lege keine Traufhöhen (die Höhe bis zur Dachkante) und auch keine Dachformen mehr fest.

Das bestätigt Volker Mohr, Leiter des Stadtplanungsamts, auf Anfrage der HNA. Laut dem Bebauungsplan aus dem Jahr 2011 seien in dem Bereich maximal fünf Geschosse zulässig, für die Trauf- und Firsthöhen gebe es keine Vorschriften. Da die Vorgaben eingehalten würden, sei das Vorhaben der DGS zu genehmigen gewesen.

Dr. Christian Presche

Gemäß der Festlegungen könnten alle viergeschossigen Gebäude in der Straße aufgestockt und zusätzlich mit Staffelgeschossen versehen werden, sagt Christian Presche vom Arbeitskreis Denkmalschutz. Da nicht zu erwarten sei, dass durchgängig aufgestockt werden, könne ein Straßenbild entstehen, dass an „eine löchrige Zahnreihe“ erinnert.

Von einem Staffelgeschoss spricht man, wenn das oberste Geschoss gegenüber den darunterliegenden Etagen zurückspringt. Es wird dann nicht als Vollgeschoss gezählt. Von dieser Regelung macht sich auch die DGS bei der Aufstockung Gebrauch. Als sechstes (Staffel-)Geschoss setzt sie eine Art Penthouse mit Dachterrasse auf.

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