Kunden ratlos vorm Laden: Unitymedia-Kundenzentrum geschlossen

+
Ihm wurde trotz Schließung geholfen: Erhard Blaufuß wollte gestern in das Unitymedia-Kundenzentrum an der Königsstraße/ Ecke Wilhelmsstraße. Dieses hat aber geschlossen. Die ehemalige Mitarbeiterin Rahele Nematollahi konnte ihm aber weiterhelfen.

Kassel. Erhard Blaufuß war am Montag einer von vielen Kunden, die ratlos vorm Unitymedia-Kundenzentrum an der Oberen Königsstraße standen: Türen verschlossen, Schaufenster verhangen.

Dabei hat der 83-jährige Kasseler ein drängendes Problem mit seinem Kabelanschluss. „Mein Fernseher zeigt kein Bild mehr. Nur noch Rauschen. Da kann ich meine Helene Fischer gar nicht mehr sehen“, sagte der Rentner.

Durch Zufall traf Blaufuß dann vor dem Geschäft auf Rahele Nematollahi, die sich dort mit der HNA zu einem Gespräch verabredet hatte, und dem Rentner weiterhelfen konnte. Die 28-Jährige hatte die vergangenen zwei Jahre in dem Kundenzentrum gearbeitet. Vergangene Woche sollte sie dann nicht mehr an ihrem Arbeitsplatz erscheinen. Sie war wie die weiteren zwei Mitarbeiter des Ladens freigestellt worden.

Aktualisierung vom 19. April 20 Uhr:

„Wir sind hier, wir bleiben hier und sind auch weiterhin Ansprechpartner in Sachen Unitymedia“, sagt Christina Hartleib vom Unitymedia-Store im City-Point am Königsplatz. Die Schließung des Ladens an der Ecke Wilhelmsstraße/Obere Königsstraße habe sie zur Kenntnis genommen. Davon, dass es deswegen für Unitymedia hier keinen Ansprechpartner mehr gibt, könne aber keine Rede sein. Sie freut sich, für die Kunden da zu sein.

Angestellt waren die Kundenberater aber nicht direkt bei Unitymedia, sondern bei der Kabelwelt GmbH & Co KG aus dem baden-württembergischen Bisingen. Die Kabelwelt hat im Auftrag von Unitymedia 40 Läden in Deutschland betreut. Nach Auskunft von Unitymedia war es zu einem Rechtsstreit zwischen den Partnern gekommen, weshalb die Zusammenarbeit kurzfristig beendet wurde. Was genau dahinter steckt, dazu schweigen die Beteiligen.

Nematollahi ist aufgebracht. Sie und ihre Kollegen hätten auch ihr letztes Gehalt nicht mehr von Kabelwelt erhalten. Weil der Arbeitgeber keine Kündigungen erteilt habe, sondern Freistellungen, könnten die etwa 130 Kabelwelt-Mitarbeiter in Deutschland kein Arbeitslosengeld beantragen.

„Alle werden hingehalten“, sagt Nematollahi. Ihr sei inzwischen gekündigt worden, weil sie sich für die Gründung eines Betriebsrates stark gemacht habe. Mit der Schließung des Unitymedia-Ladens in Kassel gebe es für Kunden vorerst keinen Vor-Ort-Service mehr.

Unitymedia teilt mit, dass die weggefallenen Servicecenter „zeitnah ersetzt“ werden sollen. In der Zwischenzeit verweist das Unternehmen seine Kunden auf eine telefonische Hotline. Zudem könnten Kunden auf andere Shops ausweichen, die nicht von Kabelwelt geführt wurden.

Die Kundenfiliale in Kassel war erst im November 2009 eröffnet worden. Dort wurden Unitymedia-Produkte im Bereich Internet, Telefon und Kabelfernsehen angeboten und Kunden konnten ihre Fragen loswerden. Am Schaufenster des Ladens an der Ecke Königsstraße/ Wilhelmsstraße hängt bereits ein Hinweis, dass in dem Laden demnächst ein Geschäft des Internetdienstanbieters 1&1 eröffnet.

Im HNA-Verbreitungsgebiet ist von der Schließung neben Kassel ein Laden in Korbach betroffen. Zudem weitere in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Der Chef der Firma Kabelwelt war am Montag bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.