Darum will die Stadt den Rathaus-Flügel komplett sanieren

Geplante Rathaus-Sanierung: Viel Masse, viele Probleme

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Risse in der Decke, veraltete Leitungen und Sicherungen: Axel Jäger, Amtsleiter für Hochbau und Gebäudebewirtschaftung (links), und Bauleiter Rolf Müller erläuterten bei einem Rundgang den Sanierungsbedarf im Karlsstraßen-Flügel des Rathauses.

Kassel. Für geschätzte Gesamtkosten von 25 Millionen Euro soll der Karlsstraßen-Flügel des Kasseler Rathauses saniert werden.

Ein Betrag von 16,34 Millionen Euro soll davon nach der vom Magistrat bereits beschlossenen Projekt-Liste aus dem Kommunalen Investitionsprogramm (KIP) finanziert werden. Nachfolgend Informationen rund um die Mängel und den Sanierungsbedarf des Rathaus-Trakts:

Warum muss das Rathaus saniert werden?

Der betroffene Karlsstraßen-Flügel wurde nach Angaben von Axel Jäger, Amtsleiter Hochbau und Gebäudebewirtschaftung, und Bauleiter Rolf Müller 1974 errichtet. Quasi in diesem Zustand befindet sich das Gebäude mit insgesamt 10 500 Quadratmetern Geschossfläche und 350 Büroräumen auf acht Etagen noch heute. Jäger: „Das ist Standard von vor 40 Jahren.“

Was sind die größten Probleme?

Blick von der Fünffensterstraße: Der Rathaus-Flügel an der Oberen Karlsstraße. Auch die Stadtbibliothek muss zur Sanierung raus.

Wände, Schränke und Decken enthalten Spanplatten, die Formaldehyd ausdünsten. Sie müssen allesamt entsorgt und ersetzt werden. Die chemische Verbindung steht laut Jäger unter Verdacht, krebserregend zu sein. Ausgetauscht werden müssen auch alle Fenster, weil sie blind, undicht und mangelhaft dämmend sind. Ersetzt werden müssen laut Jäger unter anderem auch die Fassade, Außenjalousien, Heizkörper, Fußböden, Beleuchtung, Strom-, Wasser- und Heizungsleitungen. „Jäger: Es handelt sich um eine Komplett-Sanierung.“

Wie steht es um den Brandschutz im Gebäude?

Der Brandschutz entspricht nicht mehr den heutigen Bestimmungen. So gibt es nicht einmal einen FI-Schalter für die Strom-Sicherungen. Zudem mangelt es an der Brandabschottung der Decken sowie zu Büros, Treppenhäusern und Toiletten. Die Mineralwolldämmung ist ebenfalls belastet, die Schalung der Betondecke brandschutztechnisch nicht mehr zulässig.

Welche Ämter und Mitarbeiter sind betroffen?

Während der Sanierung des Rathaus-Flügels müssen die rund 450 dort Beschäftigten umziehen. Betroffen sind Mitarbeiter des Sozialamtes, des Jugendamtes, des Hochbauamtes, des Bauverwaltungsamtes, des Stadtplanungsamtes und der Stadtbibliothek. Die Bibliothek muss während der mehrjährigen Arbeiten ebenfalls an einem anderen Standort untergebracht werden.

Lässt sich eine Komplett-Sanierung verhindern?

Nach Einschätzung der beiden Rathaus-Experten geht daran kein Weg vorbei. Für die Kosten von rund 25 Millionen Euro ist nach ihren Angaben kein einzelnes großes Problem, sondern die Masse der erforderlichen Maßnahmen in dem 120 Meter langen Gebäude verantwortlich. Eine Sanierung Etage für Etage oder Raum für Raum wäre deutlich teurer. Sie gehe aber allein schon deshalb nicht, weil bei Entsorgung der Decke Formaldehyd-belastetes Material herunterrieseln und sich überall verbreiten würde, so Jäger.

Bis wann muss die Sanierung beschlossen werden?

Dazu gibt es unterschiedliche Aussagen. Stadtkämmerer Geselle betonte, dass Magistrat und Stadtverordnete noch im Mai über das KIP-Programm abstimmen müssen. Laut Finanzministerium bleibt der Stadt bei einer Begründung noch Zeit bis Ende 2016.

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