Aus vier Jahrzehnten

Retro-Abend mit Gameboy: Hunderte spielten im Fridericianum

So voll wird es sonst nur zur documenta: Am Freitagabend strömten 1500 Besucher zum Retro-Video-Spielabend ins Fridericianum. Unter diesen waren auch (rechts oben) Dan und seine Mutter Alexandra Schäfer und die Geschwister Yves und Lea. Fotos: Fischer

Kassel. Solch einen Anblick gibt es sonst nur zu documenta-Zeiten: Lange Schlangen vor der Kunsthalle Fridericianum.

Am Freitagabend wurde zwar nicht die Weltkunstschau eröffnet, aber eine besondere Premiere gab es dennoch. Erstmals veranstaltete die Kunsthalle einen Retro-Videospiele-Abend. Am Ende zählten die Veranstalter 1500 Gäste, die an Spielkonsolen aus vier Jahrzehnten in die Geschichte des Videospiels eintauchten.

„Wir hatten mit großem Zuspruch gerechnet, dass so viele kommen würden, hätten wir aber nicht gedacht“, sagte die Sprecherin des Fridericianums, Ann-Charlotte Günzel. Und so konnten die Besuchermassen immer nur stoßweise ins Foyer des Fridericianums, wo ein Dutzend Spielkonsolen zum Ausprobieren einlud. Die Bandbreite der Geräte reichte zurück bis zur Konsole „Pong“ aus dem Jahr 1972.

Unter den Gästen tummelten sich aber nicht nur solche, die mit den alten Konsolen und Spielen mit pixeliger Grafik aufgewachsen sind. Auch viele Kinder und Jugendliche finden gefallen an den Videospielen der Elterngeneration. Darunter die Geschwister Lea (16) und Yves (8) aus Guxhagen. Sie stürzten sich auf die Gameboys, die in der Kunsthalle auslagen. Die aus heutiger Sicht miese Grafik der Spiele störte sie nicht. Zuhause haben sie selbst ein altes Nintendo und einen Gameboy.

Ebenfalls ein begeisterter Sammler von alten Spielkonsolen ist der 13-jährige Dan aus Kassel, der mit seiner Mutter Alexandra Schäfer zum Retro-Game-Abend gekommen war. In seinem Kinderzimmer hat er sechs Heimkonsolen aus verschiedenen Jahrzehnten angehäuft. Warum interessiert er sich dafür? „Andere gehen ins Museum, um alte Bilder zu sehen. Videospiele sind auch eine Kultur, Medienkultur“, sagt Dan.

Retro-Gaming-Abend im Fridericianum

Der sechsjährige Niclas, der mit seinem Vater ins Fridericianum gekommen war, spielte begeistert an einer Atari-Konsole Pac-Man aus dem Jahr 1982. Obwohl der Junge erst zu Weihnachten eine moderne Wii von Nintendo geschenkt bekommen hat, spielt er am liebsten auf den alten Geräten seines Vaters, der vom NES, über das Super Nintendo, Sega Mega Drive und N64 fast die ganze Palette besitzt. Das einfache Spielprinzip überzeugt den Sohn.

Julia May, die in Kassel mit „Flashback“ ein Geschäft für alte Spielkonsolen und Videospiele betreibt, hatte den Retro-Game-Abend mitorganisiert und die alten Geräte zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit dem Kasseler Medienpädagoge David Zabel hielt sie einen Vortrag über die Entwicklung der Technik.

Ansonsten nutzten viele Besucher die Gelegenheit, die aktuelle Ausstellung „Images“ im Fridericianum zu besuchen, die sich ebenfalls künstlerisch mit der Video-Spiel-Kultur auseinandersetzt.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.