Widmete dem Zissel ihr Leben

Ungekrönte Zissel-Kaiserin: Uta Büthe war erste Tambourmajorin Deutschlands

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Strahlende Tambour-Majorin: Uta Büthe während eines Zissel-Fests in den 70er-Jahren. Das Foto entstand auf der Kasseler Rathaustreppe.

Kassel. Der Zissel feiert in diesem Jahr vom 29. Juli bis 1. August seinen 90. Geburtstag. Leser schickten uns ihre Erinnerungen. Dabei sind wunderbare Geschichten ans Licht gekommen:

Im Zissel wimmelt es nur so von Majestäten, Königinnen, Prinzessinnen. Wenn es aber eine ungekrönte Zissel-Kaiserin gibt, dann kann das nur eine sein: Uta Büthe.

Den größten Teil ihres Lebens - 45 Jahre - hat die 74-Jährige Kasselänerin dem feuchtfröhlichen Heimatfest gewidmet.

Lexikonwissen:

Der Zissel im Regiowiki

Die Liste ihrer Ämter, Funktionen und Bereiche, deren Initiatorin sie war, ist endlos. Zisselgilde, Aktionstheater Blauweiß, Kasseler Show- Tanz- und Musikzug, Majorettencorps: Alles, was den Zissel während unzähliger Auftritte nicht nur beim Wasserfest, sondern auch auf Hessentagen und anderen Veranstaltungen verkörperte, hat Uta Büthe mit aus der Taufe gehoben und als Organisatorin und Impressario geprägt und am Laufen gehalten. Ohne Büthe hätte Helmut Kerl, der legendäre Zisselpräsident, das Fest so nicht schultern können.

Uta Büthe hat das Träumen nicht verlernt: 45 Jahre ihres Lebens widmete sie dem Zissel.

Was Uta Büthe an den heutigen jüngeren Zissel-Machern bewundert: Alles sei strukturiert, die Aufgaben klar verteilt. Zu ihren Zeiten kam es nicht selten vor, dass irgendwas Unvorhergesehenes gewuppt werden musste. „Dann rief Helmut Kerl an und bat mich, ihm schnell beim Plakatieren zu helfen.“

Uta Büthe, häufig die Verlässliche im Hintergrund, ist eine bodenständige und bescheiden auftretende Frau. Auf eines aber ist sie unverhohlen stolz: „Ich war 1961 Deutschlands erste Frau als Tambourmajorin.“

Sie stamme aus einer Zisselfamilie, erzählt sie. Auch ihre vier Geschwister waren ins Wasserfest verliebt und vielfältig engagiert. Sie erinnert sich an rauschende Feste mit Auftritten von Stars wie Katja Ebstein und Tony Marschall. „Das waren noch Zeiten, als aus dem Zisselbrunnen Bier floss!“ Sie selbst sei allerdings nie eine Partymaus gewesen und habe den Zissel stets mit klarem Kopf bewältigt. Geliebt habe sie aber die öffentlichen Auftritte, das Tanzen, Musizieren, Moderieren und Auf-der-Bühne-stehen.

Uta Büthe

Als Kind wollte sie Schauspielerin werden. „Aber meine Eltern erwarteten, dass ich Geld verdiene.“ So lernte sie Konditorei-Fachverkäuferin und arbeitete später im Einzelhandel. Ihre Theaterleidenschaft lebte sie in Laienspielgruppen aus. Als Rentnerin ist sie heute im Theater als Garderobiere tätig. Und das Träumen hat sie nicht verlernt. Sie sagt: „Ich würde so gerne noch einmal mit einer Sprechrolle auf der Bühne stehen.“

Den Zissel hat die alleinstehende Frau, die immer berufstätig war, mit Leichtigkeit und Freude gemeistert. Sie erinnert sich, dass sie zu Auftritten unter der Woche häufig die Mittagspause nutzte, um sich in der öffentlichen Toilette unter dem Königsplatz umzuziehen. Die Toilettenfrau habe sich immer köstlich amüsiert, wenn sich die Schuhverkäuferin in Nullkommanichts in eine Majorin mit Goldlitze am Revers verwandelt hatte.

Jahrzehntelang waren Uta Büthes Sommer für den Zissel reserviert. „Den ersten Urlaub meines Lebens habe ich 1999, kurz vor der Rente, genommen.“

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