Der Häring hängt: Eröffnung des Zissels gefeiert

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Der Häring hängt: Eröffnung des Zissels gefeiert

Vier Tage lang feiert unsere Region den Zissel. In leichtem Nieselregen hat am Freitagabend die Eröffnungszeremonie von Kassels Volks- und Wasserfest auf dem Rondell begonnen.

 „In einer Stunde hört der Regen auf, und dann bleibt es bis Montagabend trocken“, versprach Oberbürgermeister Bertram Hilgen, der es als Schirmherr eigentlich wissen muss.

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Einige Auftritte haben sie ja schon mit Bravour absolviert, doch erst am Freitagabend erhielten die Zisselhoheiten, Fulle-Nixe Lilly Martin (von links), Zisselkönigin Sheila Sayed Mömeni und Zisselprinzessin Daniela Engel, ihre standesgemäßen Ornate. Zissel-Präsidentin Janine Herr, Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann und Oberbürgermeister Bertram Hilgen krönten die drei hübschen Damen auf dem Rondell und legten ihnen die obligatorischen Schärpen um. Wenige Minuten später lernten die neuen Hoheiten, wie hart der Zissel-Dienst sein kann. Denn minutenlang ging ein heftiger Sturzregen nieder, vor dem sich die Damen unter einen Schirm retteten.

Heidelbach-Medaille feierlich verliehen

Elsa heißt seit Freitagabend die wohl älteste Trägerin der Paul-Heidelbach-Medaille. 90 Jahre ist sie alt, aber quicklebendig und für jeden Scherz zu haben: Die Zissel-Heringsdame, unter dessen Kostüm sich jedes Jahr ein anderer Zissel-Aktivist versteckt, erhielt neben Siegried Werner und Nancy Hirschfeld aus den Händen von Bürgermeister Bertram Hilgen gestern Abend diese Auszeichnung für ihre Verdienste um das größte Kasseler Volksfest.

„D’r Häring hängt“ - Zisselpräsidentin Janine Herr verkündete bei der Zeremonie am Freitagabend den offiziellen Start der Sause, als der fünf Meter messende Symbolfisch am Rondell aufgehängt war. Das Wahrzeichen, die Zissel-Heringsdame, kam kurz zuvor zu besonderen Ehren: Ihr wurde von Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen die Paul-Heidelbach-Medaille verliehen.

Mittendrin: Zissel-Auftakt mit Regenbogen

Dieser Zisselauftakt 2016 hatte schon etwas Dramatisches: Kaum waren am Freitagabend die Hoheiten gekürt und die Heidelbach-Medaillen verliehen, brach ein wahrhaft sintflutartiger Regenguss los, die die Festgesellschaft eine gute halbe Stunde lang dicht gedrängt unter den wenigen Sonnenschirmen und Markisen auf dem Rondell festsetzte. Wie eine Teilnehmerin schicksalsergeben formulierte: „Es ist nun mal ein Wasserfest.“

Aber eben eines, das dieses Jahr sein 90-jähriges Bestehen feiert. Und so mutete es wie eine grandiose Geburtstagsüberraschung an, dass kurz darauf der Abendhimmel aufklarte und sich ein prächtiger Regenbogen über der Fulda und der Zisselmeile spannte. Oberbürgermeister Bertram Hilgen, der es als Schirmherr wissen sollte, hatte zuvor prophezeit: „„In einer Stunde hört der Regen auf, und dann bleibt es bis Montagabend trocken.“ Zumindest mit Teil eins hat er schon mal Recht behalten.

Optimistisch gab sich auch Zisselpräsidentin Janine Herr: Sie fand es toll, dass am Abend zuvor trotz ebenfalls feuchten Wetters erstaunlich viele Zisselfans zur Wasserski-Show gekommen waren. Bei der traditionellen Zissel-Auftaktfahrt an Bord des Fahrgastschiffs „Hessen“ glänzte die Zissel-Frontfrau mit aparten Details wie einem blau-weißen Nageldesign und einem Herings-Startbildschirm auf ihrem Smartphone.

Unter den Gästen der Flusspartie entlang der Zisselmeile: Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, Huskies-Manager Joe Gibbs, Bauunternehmer Kai Emmeluth, Thomas Distler (Distler Gastro), Kassel-Marketing-Geschäftsführer Andreas Bilo, Prof. Werner Siebert (Vitos Orthopädische Klinik), Günter Koseck (Dornröschenschloss Sababurg), GWG-Chef Peter Ley und Markus Exner (Grimmheimat Nordhessen).

Stichwort: Wie der Zissel zu seinem Namen kam

Woher der Zissel seinen Namen hat, darüber lässt sich trefflich streiten. Fest steht, dass der Begriff „zisseln“ schon im Deutschen Wörterbuch der Grimms verzeichnet ist - als „auflockern, schütteln, zerstreuen“. Darauf gründen sich zwei verbreitete Annahmen: dass der plattdeutsche Ausdruck in Bezug auf das Volksfest entweder „Geld verzisseln“ bedeute oder dass er im Sinne von „beim Feiern Zerstreuung finden“ zu verstehen sei.

Eine weitere Erklärung bietet diese aus dem Jahr 1925 überlieferte Geschichte: „Als wir an diesem Abend zu später Stunde auf der Terrasse des Schwimmvereins zusammensaßen und sahen, wie die letzten beleuchteten Boote sich langsam heimwärts bewegten, da sagte Walter Daume, einer der Hauptakteure bei jedem Fulle-Feez: „Jetzt verzisseln sie sich!“ Damit hatte er, ohne es zu wollen, den Anstoß zum Namen des Festes gegeben.“

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