Ergebnis der Kasseler Forscher

Mythos widerlegt: Studienabbrecher sind nicht die erfolgreicheren Unternehmer

Kassel. Bill Gates, Steve Jobs und Mark Zuckerberg: Alle drei sind Legenden des Unternehmertums – und das, obwohl sie ihr Studium abbrachen.

Ihre Karrieren suggerieren, dass Hochschulabbrecher die erfolgreicheren Unternehmer sind. Stimmt das, oder handelt es sich bei den berühmten Erfolgsgeschichten doch nur um Einzelfälle? Dieser Frage ist Prof. Dr. Guido Bünstorf von der Universität Kassel nachgegangen.

Gemeinsam mit Kollegen aus Dänemark und Norwegen untersuchte der Wirtschaftswissenschaftler, wer später mehr verdient: Absolventen oder Abbrecher. Für die Studie nutzten die Forscher Daten des dänischen Arbeitsmarkts, der in diesem Bereich besonders gut dokumentiert ist, und schauten sich Einkommensunterschiede drei Jahre nach Verlassen der Hochschule an.

Das Ergebnis: Bei ansonsten gleichen Eigenschaften verdienen Studienabbrecher, die als Angestellte arbeiten, rund 17 Prozent weniger als Angestellte mit Abschluss. Hinzu kommt, dass Selbstständige ohnehin weniger als halb so viel verdienen als abhängig Beschäftigte. Selbstständige Abbrecher seien demnach doppelt benachteiligt, sagt Bünstorf, Leiter des Fachgebiets Wirtschaftspolitik, Innovation und Entrepreneurship: „Es gelingt ihnen in der Regel nicht, die Einkommenslücke gegenüber Absolventen durch die Selbstständigkeit zu verringern.“

Im Durchschnitt kommt ein Unternehmen, das ein junger Mensch nach seinem Abschluss gegründet hat, im ersten Jahr auf einen Umsatz von 480.000 Dänischen Kronen (etwa 64.000 Euro) und 0,32 Angestellte, fanden die Forscher heraus. Unternehmen, die von Studienabbrechern gegründet wurden, seien meistens noch kleiner: Sie kommen im Schnitt auf umgerechnet 48.000 Euro und 0,28 Angestellte.

Die Bereitschaft von Abbrechern, sich selbstständig zu machen, sei allerdings höher als die von Absolventen: „Das liegt auch daran, dass Abbrecher auf dem Arbeitsmarkt generell weniger Chancen haben. So werden manche aus der Not in die Selbstständigkeit getrieben“, erklärt Bünstorf. Aber auch dort könnten sie die Einkommensunterschiede selten wettmachen.

Wie erklärt sich dann der Erfolgsweg eines Steve Jobs? „Es gibt natürlich Menschen, die eine brillante Idee haben und wegen ihrer Persönlichkeitsstruktur nur schwer in ein Hochschulsystem passen“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler, „das sind aber Ausnahmen.“ Häufig sprächen Studienabbrüche für einen Mangel an Beständigkeit und kognitiven Fähigkeiten.

„Insgesamt liefert unsere Untersuchung keine Anhaltspunkte für die etwa im Silicon Valley weit verbreitete These, dass Erfolgsgeschichten wie die von Steve Jobs oder Mark Zuckerberg typisch für Studienabbrecher sind“, bilanziert Bünstorf. Das Forscherteam geht davon aus, dass die anhand dänischer Daten ermittelten Ergebnisse in der Tendenz auch für andere Industriestaaten zutreffen.

Von Jan Wendt

Rubriklistenbild: © dpa

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