Bis zu 15 neue Mitarbeiter

Nach langem Warten aufs Paket: Strafanzeige gegen DHL

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Die neue Paket-Zustellbasis der Deutschen Post DHL an der Rudolf-Diesel-Straße im Industriepark Kassel: Von hier starten Zusteller zu 60 Touren in Kassel und Umgebung.

Kassel. Die zahlreichen Pannen bei der Zustellung von DHL-Paketen in den vergangenen Wochen dürften auch mit Fremdfirmen zu tun haben, die der Paketdienst um Hilfe gebeten hat.

Eine größere Zahl von Paketen im Monat Mai, außergewöhnlich viele Krankmeldungen von Mitarbeitern und noch dazu technische Probleme hatten zu zahlreichen Zustell-Pannen in und um Kassel geführt. DHL-Sprecher Thomas Kutsch hatte sich dafür bei den Kunden entschuldigt und angekündigt, dass der Paketversender jetzt zehn bis 15 Mitarbeiter neu einstellt, die das Team in der Kasseler Zustellbasis verstärken sollen. 

Info von DHL-Mitarbeiter

Ein DHL-Mitarbeiter hatte gegenüber der HNA berichtet, dass das Unternehmen aus Kostengründen Fremdfirmen mit der Zustellung beauftragt habe. Die Motivation dieser Beschäftigten sei wegen geringer Bezahlung und hohem Zeitdruck gering, so der DHL-Mitarbeiter, dessen Namen wir nicht nennen, um ihn vor Maßregelungen durch seinen Arbeitgeber zu schützen.

Vollgepackt: zu viele Sendungen für zu wenig Leute. Die Post hat derzeit in Kassel ein großes Zustellproblem. Foto: dpa

DHL-Sprecher Kutsch bestätigt, dass Teile der Paketzustellung in der Region Kassel von Servicepartnern übernommen wurden, um Spitzenbelastungen bei den Zustellern abzubauen. Diese zeitweise eingesetzten Servicepartner würden mit den Neueinstellungen nun wieder aus der Zustellung herausgenommen.

DHL-Kunde Wolfgang Thielert aus Harleshausen beschreibt die Paketzustellung als „eine einzige Katastrophe“. Deshalb wollte er mit zwei Paketzustellern über die Misere sprechen. „Das war nicht möglich“, berichtet Thielert entrüstet der HNA. „Die beschäftigen jetzt wohl neuerdings Flüchtlinge ohne jegliche deutsche Sprachkenntnisse. Der junge Mann zuckte nur mit den Schultern – nichts verstehen. Die Dame, die heute kam, hatte auch keine ausreichenden Sprachkenntnisse.“

Dazu erklärt DHL-Sprecher Kutsch: „Das sollte nicht sein.“ DHL stelle – auch im Sinne des hohen Qualitätsversprechens an die Kunden – strenge Anforderungen an die Auswahl der Vertragspartner. Dazu gehöre auch, dass Mitarbeiter die deutsche Sprache beherrschten und mit Kunden reden könnten.

Strafanzeige

DHL-Kunde Klaus Behrens aus Harleshausen ist den Ärger leid und hat Strafanzeige gegen den Paketdienst erstattet. „Bereits mehrfach wurden Pakete, die an meine Ehefrau und mich adressiert sind, nicht an uns zugestellt, sondern ohne Benachrichtigung an eine Postfiliale ausgeliefert“, hat Behrens an die Kasseler Staatsanwaltschaft geschrieben und die Vorwürfe mit exakten Sendungsverfolgungen dokumentiert. Er wirft DHL bewusste und organisierte Verstöße gegen die Post–Universaldienstleistungsverordnung vor.

Dort steht in Paragraf 3 „Qualitätsmerkmale der Paketbeförderung“: „Pakete sind zuzustellen, sofern der Empfänger nicht erklärt hat, dass er die Sendungen abholen will. Die Zustellung hat an der in der Anschrift genannten Wohn- oder Geschäftsadresse durch persönliche Aushändigung an den Empfänger oder einen Ersatzempfänger zu erfolgen, soweit keine gegenteilige Weisung des Absenders oder Empfängers vorliegt.“ Gegen diese gesetzliche Verordnung verstoße der Paketdienst DHL offenbar bewusst in zahllosen Fällen, klagt Behrens. In einer Postfiliale in Wehlheiden war Kunden erklärt worden, dass es Dienstanweisungen an Zusteller gab, die Pakete gar nicht erst zu den Kunden zu bringen, damit Arbeitszeitregelungen eingehalten werden könnten.

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