31-Jähriger wird nicht bestraft

Nach Messerstich in Brust: Beschuldigter bleibt in psychiatrischer Klinik

Kassel. Ein 31-jähriger, wegen gefährlicher Körperverletzung beschuldigter Mann bleibt weiter in einer psychiatrischen Klinik und wird dort behandelt.

Das hat die 6. Strafkammer des Landgerichts Kassel am Dienstag entschieden. Der aus Äthiopien stammende Mann, der im Kreis Kassel wohnte, war festgenommen worden, nachdem er am 10. August vorigen Jahres an der Jägerstraße in Kassel einen 22-Jährigen mit einem Messerstich in die Brust schwer verletzt hatte. Ohne sofortige ärztliche Versorgung hätte akute Lebensgefahr bestanden, sagte Staatsanwältin Alena Hartwig-Asteroth gestern.

Bereits im Juli hatte der Beschuldigte einen 46-Jährigen mit einer Bierflasche verletzt. Der 31-Jährige saß zunächst in Haft und wird seit Mitte März in einer Klinik behandelt. Fallen gelassen wurde der Anklagepunkt des versuchten Totschlags. Der scheide aus, sagte der Vorsitzende Richter Volker Mütze.

Richter Mütze beschrieb im Schlusswort das Schicksal des 1985 in einem äthiopischen Grenzort geborenen Mannes, der eine Teestube betrieb. Weil er eine Befreiungsbewegung unterstützt habe, hätten ihn äthiopische Soldaten gefoltert, ihm einen Teil des Ohres abgeschnitten und ihn mit dem Gewehr geschlagen. 2013 sei er nach Somalia, 2014 nach Deutschland geflüchtet. Davor habe ihn seine Familie gefangen gehalten. Laut Staatsanwältin hat der Mann auch seelisch darunter gelitten, dass seine Mutter und sein Onkel bei der Flucht nach Europa ums Leben gekommen seien.

Richter Mütze sprach von einer „Psychose aus schizophrenem Formenkreis“. Der Mann habe aus Angst immer ein Messer und eine Schere dabeigehabt: „Er war nicht in einer realen Welt.“ Die Alkoholabhängigkeit habe zu einer krankhaften seelischen Störung geführt. Die Einsicht, unrecht zu tun, sei nicht vorhanden, sagte der Richter zu den Straftaten: „Er ist schuldunfähig und wird nicht bestraft.“

Die Schuldunfähigkeit wurde auch durch ein psychiatrisches Gutachten bestätigt. Da der Mann eine Gefahr für die Allgemeinheit und das Risiko weiterer Straftaten hoch seien, beantragte die Staatsanwältin die weitere Unterbringung in der Klinik. Dem schloss sich der Verteidiger an.

Richter Mütze sagte, dass „weitere erhebliche Straftaten möglich“ seien. Er hoffe, der Mann sehe ein, dass die Behandlung in der Klinik gut für ihn sei.

Zustand gebessert

Für dieses Schlusswort bedankte sich der 31-Jährige. Dessen Zustand habe sich in der Klinik deutlich verbessert, sagte Anwalt Michael Schenk. Sein Mandant sei froh gewesen, dass der 22-Jährige nach dem Messerstich nicht gestorben sei. Sein Mandant habe sich positiv zur Therapie in der Klinik geäußert, betonte Schenk. Er hoffe, dass seine Krankheit deutlich gelindert oder überwunden werden könne.

Wie Richter Mütze auf Anfrage erläuterte, bleibt der Mann in der Klinik, solange er für die Allgemeinheit gefährlich sei. Dieses werde jedes Jahr von der Strafvollstreckungskammer des Landgerichts überprüft, die sich auf Gutachten der Mediziner stütze.

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