3000 Euro Strafe

Nach tödlichem Unfall auf Parkplatz: Fahrverbot für 80-Jährige

Tödlicher Unfall auf dem Parkplatz des Lebensmittelmarktes Tegut auf der Marbachshöhe: Beim Ausparken stieß die damals 79-Jährige gegen den Wagen einer 67-Jährigen, die neben ihrem Auto stand. Sie wurde eingeklemmt und starb noch am Unfallort. Archivfoto: Dittrich

Kassel. Wegen fahrlässiger Tötung ist eine 80-jährige Frau aus Kassel vom Amtsgericht per Strafbefehl mit einem sechsmonatigen Fahrverbot belegt worden. Außerdem muss sie 3000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung bezahlen.

Der Strafbefehl ist nach Auskunft von Amtsrichter Matthias Grund rechtskräftig, der Seniorin bleibt daher eine öffentliche Gerichtsverhandlung erspart.

Der Unfall hatte sich Mitte September ereignet. Die betagte Autofahrerin hatte auf dem Parkplatz des Tegut-Marktes an der Ludwig-Erhard-Straße (Marbachshöhe) beim Rückwärtsfahren zu viel Gas gegeben und war mit ihrem Mercedes gegen den geparkten Wagen einer 67-jährigen Frau aus Kassel, die neben ihrem Auto stand, geprallt. Die Frau wurde zwischen ihrem und einem daneben stehenden Wagen eingequetscht und so schwer verletzt, dass sie noch an der Unfallstelle starb.

Erst vor wenigen Wochen hatte sich ein 39-jähriger Autofahrer, der beim Linksabbiegen Richtung Herbsthäuschen einen Radfahrer übersehen hatte, der tödlich verletzt wurde, einer öffentlichen Gerichtsverhandlung stellen müssen.  Er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu sechs Monaten Fahrverbot und einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt.

Fälle unterschiedlich 

Die unterschiedliche Behandlung der beiden tödlichen Verkehrsunfälle durch die Justiz sei normal und habe nichts damit zu tun, dass es sich bei der Autofahrerin um ein wohlhabendes und bekanntes Mitglied der Kasseler Gesellschaft handele, erklärte Dr. Götz Wied, Sprecher der Kasseler Staatsanwaltschaft, auf HNA-Anfrage. Wenn der Sachverhalt nach Aktenlage klar und eindeutig sei und keiner weiteren Klärung bedarf, könne auf eine Hauptverhandlung verzichtet und ein Strafbefehl erteilt werden.

Amtsrichter Grund bestätigte diese Sachlage. Bei dem Unfall mit dem 29-jährigen Radfahrer hätten Sachverständige und Verkehrsgutachter eingeschaltet werden müssen, um den Hergang der tragischen Ereignisse aufzuklären. Dies geschehe am sinnvollsten in einer Gerichtsverhandlung.

Dagegen sei der Unfallhergang auf dem Tegut-Parkplatz eindeutig gewesen, an der Schuld der 80-Jährigen habe kein Zweifel bestanden. Es sei nicht untypisch für Fälle fahrlässiger Tötung, dass sie auf dem Weg des Strafbefehls behandelt würden.

Richter Grund: „Die gesellschaftliche Stellung eines Menschen ist uns bei solchen Entscheidungen im Prinzip völlig egal.“ Dies zeige sich auch bei den zwei tödlichen Verkehrsunfällen, die beide mit einem völlig identischen Strafmaß geahndet worden seien.

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