Am Tag nach der Wahl: Nimmt Kassel Kurs auf die große Koalition?

+
Ernste Gesichter: Die Christdemokraten (von links) Eva Kühne-Hörmann, Bernd Doose und Dr. Norbert Wett.

Kassel. Am Tag nach der Kommunalwahl in Kassel sind alle Beteiligten immer noch nicht schlauer geworden.

Nachdem die Stadt die Stimmenauszählung nach 197 der insgesamt 200 Wahlbezirke am Nachmittag abgebrochen hatte, ist nach wie vor unklar, zu welcher Mehrheit es in der neuen Stadtverordnetenversammlung reichen könnte.

Nach den Zwischenergebnissen der Auszählungen am Montag gegen 12 und 14 Uhr sah es zunächst danach aus, dass es selbst bei einer Großen Koalition von SPD und CDU zu keiner Mehrheit kommen würde. Erst das gegen 16 Uhr veröffentlichte Zwischenergebnis gab wiederum den Kurs zur möglichen Bildung einer Großen Koalition vor. Danach würde die SPD nämlich mit 29,5 Prozent der Stimmen 21 Sitze erhalten, die CDU würde mit 20,7 Prozent auf 15 Mandate kommen. Das wären zusammen 36 Sitze in der insgesamt 71 Sitze zählenden Stadtverordnetenversammlung, also die denkbar knappste Mehrheit.

Die Auszählungen am Montag haben indes zwei Aussagen des bereits am Wahlabend veröffentlichten Trendergebnisses bestätigt: Einerseits das gute Ergebnis der erstmals antretenden AfD, die nunmehr auf knapp elf Prozent und acht Sitze kommt. Andererseits den Verlust der rot-grünen Mehrheit im Kasseler Stadtparlament. Demnach würden SPD und Grüne, die bei der Wahl knapp sieben Prozentpunkte und fünf Sitze einbüßen, zusammen nur auf 34 Mandate kommen.

Insgesamt hat die bisherige Auszählung jener Stimmzettel, auf denen kumuliert oder panaschiert wurde, nur geringfügige Veränderungen gegenüber dem Trendergebnis gebracht. Mit gravierenden Änderungen ist demnach auch durch die für heute geplante Auszählung der drei verbliebenen Wahlbezirke nicht zu rechnen.

Die Kasseler SPD fährt demnach wohl ihr schlechtestes Kommunalwahlergebnis in der Nachkriegszeit ein, bleibt jedoch stärkste Kraft. Die CDU hat zwar ebenfalls knapp vier Prozentpunkte verloren, aber ihren Platz als zweitstärkste Fraktion von den Grünen zurückgewonnen.

Bereits am Wahlabend hatten die Spitzenkandidaten Dr. Günther Schnell (SPD) und Eva Kühne-Hörmann (CDU) sich für Gespräche bereit erklärt. Rein rechnerisch möglich wäre in der Kassel nach dem bisherigen Wahlergebnis noch eine Mehrheit aus SPD, CDU und Grünen, eine aus SPD, Grünen und FDP (Ampel) und eine aus SPD, Grünen und Linken. Die Wahl in Kassel bleibt also spannend.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.