Nachfahren kümmern sich nicht

Neben der Kasseler Lutherkirche: Grab eines Kurfürsten verwildert

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Alles zugewuchert: So sieht es auf dem Privatgelände mit dem Grab des letzten Kasseler Kurfürsten in der Nähe der Lutherkirche aus. Das Areal gehört dem Fürsten von Hanau.

Kassel. Das Grab des letzten Kasseler Kurfürsten ist in einem denkbar ungepflegten Zustand. Das Gelände liegt etwas versteckt zwischen der Lutherkirche und der Kurfürstengalerie.

Hier ist alles zugewuchert, am Zaun liegen leere Imbisskartons und anderer Müll. Kümmert sich denn niemand um diese Grabstätte?

Das Problem, auf das uns ein Leser aufmerksam gemacht hat, besteht nach Angaben der Stadt seit Jahrzehnten und hat immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Im Kern ging und geht es darum, dass die Nachfahren des Kurfürsten sich einfach nicht um das Andenken Friedrich Wilhelms I. kümmern.

Der letzte Nachkomme ist Philipp von Hanau. Er lebt in einem Schloss in Kärnten (Österreich) und hat nach Angaben von Stadtsprecher Michael Schwab mitgeteilt, dass er für die Instandhaltung der Anlage kein Geld habe.

Dabei liegen in Kassel gleich mehrere seiner Vorfahren begraben. Friedrich Wilhelm I. starb im Jahr 1875. So ist es auf einer Gedenktafel am Rande des abgezäunten Areals zu lesen. Die Trauer hielt sich damals nach Angaben des Kasseler Historikers Dr. Christian Presche zumindest bei seinen Untertanen in Grenzen: Der Kurfürst galt als selbstherrlich und war ein strikter Gegner aller aufkommenden bürgerlichen Freiheitsbestrebungen.

Wesentlich beliebter war seine Mutter Auguste, die ebenfalls hier begraben ist. Sie war nach der Trennung von ihrem Mann ins Schlösschen Schönfeld gezogen und unterhielt dort einen illustren Kreis von gebildeten Menschen, zu denen auch die Grimms gehörten. Ihr Grab ist ebenso zugewuchert wie das ihrer Tochter sowie die Gedenktafel für Heinrich Christoph Jussow, dem Baumeister von Löwenburg und Teufelsbrücke.

Spenden gesammelt

Vor einigen Jahren gab es eine Initiative von Kasseler Bürgern, die sich mit Einverständnis des Fürsten von Hanau um die Anlage kümmerte. Aus Spendenmitteln wurde die Restaurierung des Eingangstors, die Sanierung der Mauer und die Reinigung von Grabplatten finanziert. Eine Weile hat das städtische Gartenamt hier noch das Gras gemäht.

„Der Fürst von Hanau wurde im August 2013 schriftlich von uns informiert, dass er dafür zuständig ist“, sagt Stadtsprecher Michael Schwab. Unter anderem müsse auf dem Grundstück eine Linde gefällt werden. Die Zusage des Fürsten, sich darum zu kümmern, wurde bis heute nicht umgesetzt.

Und jetzt? Da das Gelände eingezäunt sei, bestehe keine Gefahr für Passanten, sagt Schwab. Die Stadt könne nur an den Fürsten appellieren, sich um sein Eigentum zu kümmern.

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