Jedes Kleidungsstück ist ein Unikat

Neue Mode aus gebrauchten Stoffen: Kasselerinnen gründen eigene Marke

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Der Kirchweg als Laufsteg: Ein Foto-Shooting für die erste Kollektion von zwei jungen Kasseler Mode-Designerinnen hat kürzlich im Vorderen Westen die Blicke der Passanten auf sich gezogen. Die Kasseler Laien-Models posierten in Boxershorts – dem Markenzeichen des jungen Modelabels „Soki“ von Sophie Roscher und Kira Kimm.

Kassel. Ob Pferdebettwäsche, Blümchen-Tischdecke oder gemustertes 80er-Jahre-Hemd: Das ist der Stoff, aus dem neue Mode wird. Hier produzieren Kira Kimm und Sophie Roscher für ihr neu gegründetes Modelabel „Soki Kassel".

Dabei setzen die beiden 24-Jährigen im Wortsinn auf Altmodisches, um neue Kleidungsstücke zu entwerfen. Die beiden Maßschneiderinnen verarbeiten in jedem Hemd, jeder Bluse und jedem T-Shirt auch ein Stück alten Stoff. In einem großen Bauernschrank, aus dem Lavendelduft strömt, stapeln sich frisch gewaschene ausrangierte Bettbezüge, alte Vorhangsstoffe und andere aus der Zeit gefallene Stoffreste. „Manchmal sieht man die Muster und denkt sich: Oh, wie scheußlich“ sagt Sophie Roscher und lacht. In einem neuen Zusammenhang gebracht - etwa als schmaler Einsatz zwischen den Schulternähten oder als Brusttasche auf dem Herrenhemd - geben die alten Stoffe den Kleidungsstücken aber besonderen Pfiff.

Den beiden Kasseler Modeschöpferinnen geht es abei vor allem um Nachhaltigkeit: „Wir wollen bereits verwendeten Materialien neues Leben einhauchen anstatt sie wegzuwerfen“, sagt Kira Kimm. Das nennt man auch Upcycling. Die gebrauchten Stoffe kombinieren die beiden Kasselerinnen mit neuen, einfarbigen Baumwoll- und Jersey-Stoffen in Bio-Qualität, sodass die fertigen Teile nicht nach Second-Hand aussehen, sondern nach schicker, junger Mode - wie man sie bisher vor allem aus Berlin oder Hamburg kennt.

Jedes Teil ein Unikat: Kira Kimm (links) und Sophie Roscher fertigen in ihrem kleinen Atelier im Vorderen Westen neue Mode aus gebrauchten Stoffen an. Ende Juni wird ihre erste Kollektion in ausgewählten Geschäften in Kassel erhältlich sein. Foto: Zgoll

Jedes Kleidungsstück ist dabei ein Unikat. In ihrem Atelier im alten Kinderzimmer des Elternhauses von Kira Kimm beraten die beiden jungen Frauen für jedes Teil die farbliche Gestaltung, welche Stoffe sie kombinieren und welches Garn sie verwenden wollen. Nach Arbeit fühle sich das gar nicht an, sagen die beiden Kolleginnen, die auch enge Freundinnen sind: „Es macht uns einfach megaspaß.“ Diese Leidenschaft schlägt sich in liebevollen Details nieder: der Knopfleiste im Rücken der Damenbluse, dem witzigen Muskelshirt aus Jurassic-Park-Bettwäsche.

Genäht haben die beiden Kasselerinnen schon als Kinder gern. Im Teenie-Alter schneiderten sie sich eigenen Klamotten und entschieden sich nach dem Abitur für eine Maßschneider-Ausbildung am Kasseler Staatstheater. Vergangenen Herbst mussten sie entscheiden, wie es beruflich weitergeht. Ein Jobangebot bei einer Textilfirma, die in Bangladesh produziert, schlug Kira Kimm aus. „In ein System, das vor allem auf Ausbeutung beruht, wollen wir unsere Arbeitskraft nicht reinstecken“, sagt sie. So stand die Idee, ein eigene kleine Modemanufaktur zu gründen.

Noch jobben die beiden jungen Frauen nebenher. Ihr Traum ist, künftig von ihrem Modelabel leben zu können - und einen eigenen Laden mit Atelier in Kassel zu eröffnen. www.soki-kassel.de

Hier gibt es Soki zu kaufen 

Ab Ende Juni wird die Mode von „Soki“ in diesen Kasseler Geschäften zu kaufen sein:

• Chewing Gum, City Point

• Rokkeberg, Gothestr. 67

• Wildwood, Fr.-Ebert-Str. 99

• Sapato, Wolfsschlucht 10

Die Teile kosten zwischen 20 Euro (Boxershorts) und 110 Euro (Pullover). Auch ein Online-Shop ist geplant.

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