Orgel am Wilhelmsgymnasium für 20.000 Euro renoviert 

Ein Konzert für die Orgel: Vor der renovierten Bosch-Orgel stehen Schülerin Maxi Löschhorn, Stefanie Bastuck, Vorsitzende des Fördervereins, und der stellvertretende Schulleiter Berthold Semmler. Foto: Rudolph

Kassel. Das Kasseler Wilhelmsgymnasium (WG) nimmt es klanglich mit so mancher Kirche in der Region auf: Die Schule in Bad Wilhelmshöhe hat eine Orgel, die für ein mittelgroßes Gotteshaus dimensioniert ist.

Jetzt ist das über 50 Jahre alte Instrument renoviert und neu gestimmt worden.

20.000 Euro Spenden hat der Förderverein der Schule dafür aufgebracht. Das eindrucksvolle Klangspektrum der Bosch-Orgel soll bei einem Konzert am morgigen Mittwoch nun neu zur Geltung kommen.

Seit 1962 ist die Orgel untrennbar mit der Schule verbunden: Beim Neubau für das kriegszerstörte Gymnasium wurde das Instrument aus der Werkstatt des Niestetaler Orgelbauers Werner Bosch als Bestandteil der Aula-Architektur errichtet – wie in einer Kirche hoch auf der Empore. Bis heute wird gemunkelt, das WG wollte sich seinerzeit mit dem sakralen Instrument gegenüber dem katholischen Gymnasium Engelsburg behaupten. Fest steht, dass bis heute in Kassel außer dem WG nur die Albert-Schweitzer-Schule eine Schulorgel hat, die allerdings kleiner ist. Auch sie war vergangenes Jahr renoviert worden.

Die WG-Orgel mit ihren 19 Registern sei ein kulturhistorisches Zeitdokument der 1960er-Jahre, sagt Thomas Pieper, Regionalkantor der katholischen Kirche. Er hat den Förderverein der Schule bei der Renovierung fachkundig begleitet. Die zeichne sich – wie zu jener Zeit typisch – durch großen Oberton-Reichtum bei gleichzeitiger Grundton-Armut aus. Dadurch entstehe eine besondere Brillanz in Klang und Ton.

Im Lauf der Jahre hatte der Orgelklang jedoch gelitten. Zuletzt war das Instrument 2002 überholt worden, berichtet Stefanie Bastuck, Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Wilhelmsgymnasiums. Neben dem normalen Verschleiß war das Instrument bei Renovierungsarbeiten in der Aula Staub und Schmutz ausgesetzt. „Die Reinheit des Klangs war hinüber“, sagt Bastuck. Um die Orgel wieder auf Vordermann zu bringen, trommelte der Verein Spenden in Höhe von 20 000 Euro zusammen. 2000 Euro steuerte die Stadt Kassel dazu bei.

In den Herbstferien bauten die Orgelbauer der Firma Bosch alle 1300 Pfeifen aus, reinigten und besserten sie aus und stimmten das Instrument neu. Der bisher seitlich stehende Spieltisch wurde ins Zentrum der Empore versetzt, sodass der Organist den Orgelklang besser wahrnimmt.

Schülerin Maxi Löschhorn, die beim Schulkonzert am Mittwoch das „Phantom der Oper“ auf der Orgel spielen wird, hat sich schon von der neuen Qualität überzeugt. „Sie ist lauter“, sagt die 16-Jährige. Außerdem sehe die Orgel durch die neu installierte Beleuchtung von innen auch „cool“ aus.

Zwar nicht renoviert, aber unberührt tut übrigens auch der weiße Mann hoch über den Pfeifen weiter seinen Dienst. Die Gipsfigur mit dem Beinamen „Die Aufsicht“ verbinden Generationen von Schülern mit der Orgel. Sie wacht nun weiter über den guten Ton im WG.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.