Anwohner der Tiessenstraße

Baupläne stören Nachbarn: Anwohner fürchten große Villa in Niederzwehren

Die Bagger sind da: An der Tiessenstraße 10 in Niederzwehren finden die Vorarbeiten für eine Bebauung durch eine große Stadtvilla statt. Bäume wurden bereits gefällt. Foto: Hein

Niederzwehren. Viele Nachbarn sind entsetzt: Anfang des Jahres haben auf dem Grundstück Tiessenstraße 10 in Niederzwehren die Vorbereitungen für den Bau einer großen Stadtvilla begonnen. Dazu gehörte die Fällung mehrerer alter Bäume.

„In einem 60 Jahre alten Walnussbaum haben Eulen genistet“, sagt Anwohner Richard Garland. Das hätten die Nachbarn über lange Zeit gut beobachten können. Der alte eingewachsene Garten mit einer Garagenbebauung am Grundstücksrand sei ein Eldorado für viele Tiere gewesen.

Doch der vordringliche Protest mehrerer Nachbarn richtet sich vor allem gegen die geplante Bebauung durch ein wie sie kritisieren „überdimensioniertes“ Mehrfamilienhaus. Garland, der für eine Gruppe von Anwohnern spricht, sagt: „Die holen auf dem Grundstück die maximale Bebauung raus.“ Es wird befürchtet, dass sich der geplante Gebäudekomplex, eine Stadtvilla mit fünf Wohneinheiten, in Höhe und Größe nicht in die bestehende homogene Bebauung der Tiessenstraße durch kleine Gründerzeitvillen einpasst.

„Das Flurstück liegt laut vorläufigen Arbeitslisten vom Landesamt für Denkmalpflege im denkmalgeschützten Gebiet Gesamtanlage Tiessenstraße“, lautete eine offizielle Auskunft aus dem Amt für Stadtplanung, welche die Anwohner im vergangenen Jahr auf Anfrage erhielten. Doch von Denkmalschutz ist heute keine Rede mehr. Garland: „Denkmal- und Naturschutz werden hier mit Füßen getreten.“ Andere Eigentümer haben sich mit einem offiziellen Widerspruch zum Bauvorhaben Villa Tiessen an Stadtbaurat Christof Nolda gewandt: „Uns ist nicht klar, wie sich ein Fünf-Familienhaus in die denkmalgeschützte Gesamtanlage Tiessenstraße einfügen kann. Form und Größe des Neubaus haben nichts mit der vorhandenen Bausubstanz gemein. Als direkte Nachbarn wurden wir bisher über dieses Bauvorhaben nicht informiert“, heißt es in dem Schreiben vom Februar. Am meisten ärgere die Nachbarn, dass im Vorfeld „keine Kommunikation stattgefunden hat“, sagt auch Garland.

Dazu äußert sich Stadtsprecher Michael Schwab: „Für das Bauvorhaben auf dem noch nicht bebauten Grundstück der Tiessenstraße 10 ist ein langer Abstimmungsprozess mit dem Bauherrn, der Stadt Kassel sowie dem Denkmalbeirat erfolgt.“ Die Fällung des Walnussbaums sowie zwei weiterer Bäume sei von der Unteren Naturschutzbehörde im Rahmen des Bauvorhabens am 12. Januar genehmigt worden. Zuvor habe eine Mitarbeiterin die Bäume besichtigt. „Zum Zeitpunkt der Besichtigung gab es keine Hinweise auf die Brutstätte einer Eule.“

Nach einer ersten Bauvoranfrage, die planungsrechtlich positiv beschieden worden sei, habe der Bauherr den Entwurf mehrfach überarbeitet und Hinweise aus dem Denkmalbeirat positiv in die Entwurfsplanung aufgenommen. Der abgestimmte Entwurf sei der Stadt Kassel dann als Bauantrag vorgelegt worden.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.