Neue Pläne für Haus auf einstigem Postgelände

Credé-Villa: Investor will Gebäude für Wohnungen und Gewerbe nutzen

Unter Denkmalschutz: die leerstehende Villa Credé an der Frankfurter Straße. Der Eigentümer Mehmet Ermis will das um 1910 errichtete Gebäude für Wohn- und Gewerbezwecke nutzen, aber das Erscheinungsbild des Hauses belassen. Fotos: Hermann

Kassel. In der Villa Credé wurde Geschichte geschrieben: In dem Gebäude an der Frankfurter Straße soll am 4. April 1945 die Kasseler Kapitulation besiegelt worden sein.

Also bereits einen Monat vor dem offiziellen Ende des Zweiten Weltkrieges (8. Mai 1945).

Für das historische Gemäuer, das Konrad Credé junior von der Waggonbaufirma Credé (siehe Hintergrund) um 1910 im Landhausstil errichten ließ, zeichnet sich nun eine neue Nutzung ab. Mehmet Ermis, der die Immobilie vor knapp vier Jahren erworben hat, will sie nach der Sanierung für Wohn- und Gewerbezwecke nutzen. „Das Erscheinungsbild des alten Hauses soll aber so belassen werden“, betont Mehmet Ermis, der einen Betrieb für Lacksysteme in Kassel führt.

Zuletzt Seminargebäude

Blick von der Knorrstraße: das im Jahr 2012 eröffnete Hotel Credé, im Hintergrund ein teil der ehemaligen Villa.

Die Villa gehört nach Angaben der Stadt Kassel zu den letzten historischen Überresten der einstigen Credé-Produktionsstätte und steht unter Denkmalschutz. Sie wurde zuletzt von der Telekom als Seminargebäude genutzt und steht seither leer. Um sie nutzen zu können, müsse zunächst das als „Sondernutzungsfläche Post“ ausgewiesene Areal durch einen neuen Bebauungsplan umgewidmet werden. „Wir streben ein Mischgebiet an“, sagt Ermis. Dieses soll eine Wohn- und/oder gewerbliche Nutzung ermöglichen. Im Detail wolle er seine Pläne aber erst nach der Bebauungsplanung vorstellen, kündigt Ermis an.

Über den Bebauungsplan wird erstmals öffentlich der Ausschuss für Stadtentwicklung am heutigen Mittwoch, 9. Dezember, ab 17 Uhr beraten. Der Beschluss soll am 14. Dezember in der Stadtverordnetensitzung gefasst werden. Damit soll der Bereich des ehemaligen Postgeländes für die vom Investor gewünschte Umnutzung und Entwicklung vorbereitet werden.

Betrifft auch das Hotel

Die insgesamt 3300 Quadratmeter große Fläche mit den Grundstücken Frankfurter Straße 233 und Knorrstraße 13 betrifft auch das hinter der Villa gelegene ehemalige Wohnheim der Telekom, das seit 2012 als Hotel genutzt wird. Villa und Hotel sind durch einen eingeschossigen Bau verbunden. Um das Vorhaben abzusichern, soll zudem zwischen Stadt und Investor ein städtebaulicher Vertrag abgeschlossen werden.

Hintergrund: Waggonfabrik der Gebrüder Credé

Die Waggonfabrik Gebrüder Credé wurde 1897 von den Brüdern Conrad und Adam Credé in Niederzwehren gegründet. Die ersten Aufträge kamen von den Preußischen Staatseisenbahnen, ab 1910 wurden auch Straßenbahnen und später Omnibusse gefertigt, nach dem Zweiten Weltkrieg auch Kleinkrafträder und Getränkeautomaten.

Von 1956 bis zur Stilllegung 1967 war die Firma eine Tochter des Hörder Bergwerks- und Hütten-Vereins, der 1966 im Hoesch-Konzern aufging. Auf dem ehemaligen Werksgelände entstand das DEZ-Einkaufszentrum.

Mehr zur Villa Credé gibt es im Regiowiki.

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