Vierjähriger aus Krankenhaus entlassen

Beinahe im Park Schönfeld ertrunken: Flüchtlingsjunge ist wieder bei Familie

Wieder bei seiner Familie in der Flüchtlingsunterkunft: Hüseyin (Mitte) auf dem Schoß seiner Mutter Barif Eto und Vater Ali Khalil inmitten seiner Geschwister (von links) Nabil (13), Habib (15), Jasmin (6) und Schahran (10) in der Erstaufnahme in Niederzwehren. Fotos: Rudolph

Hüseyin ist wieder quietschfidel. Der Vierjährige krabbelt unter den Tischen in der Flüchtlingsunterkunft herum und hält sich eine Papierserviette wie einen Schleier vor den Mund.

Um ein Haar wäre der Vierjährige vergangene Woche ertrunken.

Er war im Park Schönfeld in einen Teich gefallen. Am Montag wurde der Junge aus dem Krankenhaus entlassen und konnte zu seiner Familie und den vier Geschwistern in die Erstaufnahme in Niederzwehren zurückkehren.

Die Familie aus dem Irak hatte am Mittwoch mit anderen Jesiden in dem Park das Neujahrsfest gefeiert - das in jesidischer Tradition erst im April begangen wird. Weil der Junge mit dem lockigen schulterlangen Haar dabei ein Festgewand trug, war in ersten Berichten von dem Unglück die Rede von einem Mädchen gewesen.

Hans Werner Patzki

Von den Eltern unbemerkt war der Vierjährige zum Teich gelaufen. Seine Schwester Sharan, die ihm eine Jacke bringen sollte, hatte die schlimme Entdeckung gemacht: Sie sah, wie nur noch die Füße aus dem Wasser ragten. „Da habe ich laut geschrien“, erzählt die Zehnjähige auf Kurdisch. Einer der Festgäste, ebenfalls ein Bewohner der Erstaufnahme, habe Hüseyin aus dem Wasser geholt, ein zufällig vorbeikommender Jogger rief per Handy den Rettungsdienst, berichtet der Vater.

Der Junge war bewusstlos. „Ich dachte schon, ich habe meinen Sohn verloren“, sagt Ali Khalil. Die Rettungskräfte hätten Hüseyin dann wiederbelebt, er habe Unmengen dreckiges Wasser ausgespuckt.

Die ganze Familie war geschockt und in Tränen aufgelöst, erzählt der 39-Jährige, der in der Heimat als Fliesenleger gearbeitet hat. Nachdem sie Krieg und Verfolgung im Irak überstanden, den Hunger auf der Flucht ertragen und die Fahrt auf dem Schlauchboot über das Mittelmeer überlebt hatten, holte sie plötzlich der Schrecken im sicheren Deutschland ein. Nach einer Weile habe er dann gesagt: „Hört auf, wir haben in all den Jahren genug geweint, es ist alles gut gegangen.“

Für die Hilfe und gute Versorgung ihres Sohns ist die Familie dankar – und zugleich beschämt. Es ist ihnen unangenehm, dass sie in dem Land, in dem sie Zuflucht gefunden haben, solche Umstände gemacht haben. „Aber bei jedem Fest in einem deutschen Kleingarten mit Teich hätte das auch so passieren können“, sagt Hans Werner Patzki, Leiter der Erstaufnahme in Niederzwehren. Auf dem Weg zurück in das Zimmer, in dem die siebenköpfige Familie wohnt, nimmt Mutter Barif Eto ihren keinen Ausbüchser auf den Arm. „Ab jetzt halte ich ihn immer fest.“

Lesen Sue auch:

- Nach Einsatz im Park Schönfeld: Irakisches Kind noch im Krankenhaus

- Unbekannter Jogger rettet Kleinkind im Park Schönfeld

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.