Neues Gutachten – Experte stellte Ergebnis vor

Lärmschutz für acht Gebäude nahe A49-Anschlussstelle Niederzwehren

Niederzwehren. Acht Gebäude im Bereich des Verkehrsknotens Frankfurter Straße/Wintertalstraße könnten tatsächlich Anspruch auf passiven Schallschutz im Zuge des Umbaus der Autobahnanschlussstelle Kassel-Niederzwehren, um das Gewerbegebiet Langes Feld an die Autobahn 49 anzuschließen.

Das neue Gutachten

Dies ist das Ergebnis des neuen Lärmschutzgutachtens, das Arno Flörke vom Ingenieurbüro für Akustik und Umwelttechnik (Haltern am See) in einer gemeinsamen Sitzung der Ortsbeiräte Niederzwehren und Oberzwehren präsentierte. Dem Gutachten liegen laut Flörke zwei Berechnungen zugrunde: Zum einen wurde die Lärmimmission durch die erhebliche bauliche Änderung der Anschlussstelle errechnet. Berücksichtigt wurde auch die mögliche Verkehrszunahme durch das Gewerbegebiet Langes Feld und auf Anregung von Hessen Mobil der Teilbereich, in dem der Lärmschutzwall nördlich der A49 verschoben wurde.

Der Grenzwert

Das Ergebnis weist nachts eine Überschreitung der Grenzwerte von 60 dB an den Gebäuden Wintertalstraße 2, Frankfurter Straße 424, 426 und 365 A aus. „Diese haben dem Grunde nach Anspruch auf passiven Schallschutz“, sagt Flörke.

Die Erschließungsstraßen

Zum anderen wurden die Lärmimmissionen durch den Neubau der Erschließungsstraßen in das Gewerbegebiet und die Verlegung der Einfahrts- und Ausfahrtsrampen geprüft.

Die Anspruchsprüfung

Hiernach ergeben sich vier weitere Gebäude - Wintertalstraße 4 und 6 sowie Frankfurter Straße 420 und 422 -, die laut Flörke dem Grunde nach durch Überschreitung des nächtlichen Grenzwerts von 49 dB in Wohngebieten beziehungsweise 54 dB in Mischgebieten haben. Im nächsten Schritt, so Flörke, muss der tatsächliche Anspruch für die Eigentümer der Häuser auf passiven Schallschutz geklärt werden: „Hierzu werden die Bausubstanz, besonders die Qualität der Fenster, die Nutzung der Gebäude sowie deren Räume erfasst.“

Die Kostenübernahme

Ein Schlafzimmer habe beispielsweise einen anderen Schutzanspruch als ein Wohnzimmer. Einsicht in die Bauakten und eine Ortsbegehung sollen Aufschluss über den tatsächlich notwendigen Umfang der passiven Schallschutzmaßnahmen an den einzelnen Gebäuden ergeben. „Die Kosten für die bauliche Umsetzung trägt die Stadt Kassel“ erläutert Flörke.

Anwohner kritisieren Gutachten - Aktiver Lärmschutz von Hessen Mobil und Stadt Kassel gefordert

Der Umbau der Anschlussstelle Kassel-Niederzwehren erregt seit langem die Gemüter in Nieder- und Oberzwehren. Viele Anwohner beklagen sich über eine zu hohe Belastung durch Verkehrslärm - der, so prognostizieren sie, in Zukunft weiter zunehmen wird, wenn das Gewerbegebiet Langes Feld endgültig erschlossen ist.

Sie kritisieren, dass das neue Lärmgutachten nur die Anschlussstelle berücksichtigt, nicht die Autobahn selbst. Das ist rechtlich aber nicht vorgesehen: „An deren Verlauf ändert sich durch den Umbau nichts. Beurteilt wird nur der zu ändernde Verkehrsweg“, erläutern Gutachter Arno Flörke und Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) in der Sitzung der Ortsbeiräte Niederzwehren und Oberzwehren.

Einer der betroffenen Anwohner, Günter Lehner, moniert auch, dass das Gutachten nur über passiven Lärmschutz spricht, nicht aber über aktiven. Er hat sich mit anderen Anwohnern in einer Interessengemeinschaft (laermschutz-zwehren.de) zusammengeschlossen. Sie sehen Hessen Mobil und die Stadt Kassel in der Pflicht und fordern Lärmschutzwände statt Lärmschutzwall, Geschwindigkeitsbegrenzungen und Flüsterasphalt.

Diese Möglichkeiten sind laut Flörke im Bebauungsplanverfahren bereits diskutiert worden - Hessen Mobil habe das geprüft und als unverhältnismäßig eingestuft : „Rechtlich ist das nicht durchsetzbar. Anspruch auf aktiven Lärmschutz besteht nur dann, wenn die Autobahn ausgebaut wird.“ Für die Stadt Kassel sei eine Lärmschutzwand nicht finanzierbar.

Hintergrund: Umbau der Anschlussstelle und Lärmschutz

Bereits 2011 wurde im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens ein Lärmgutachten erstellt. Dieses legte dar, dass es sich bei der Änderung der Anschlussstelle Kassel-Niederzwehren nicht um einen Neubau, sondern um einen sogenannten „erheblichen baulichen Eingriff“ handelt. Es legte auch dar, dass durch die Geräuschemissionen, die von dem geänderten Bereich ausgehen, kein rechtlicher Anspruch auf Schallschutz besteht. Grundlage für das Gutachten sind das Bundesimmissionsschutzgesetz und die Bundeslärmschutzverordnung. Allerdings wurden bereits in diesem Gutachten Gebäude benannt, für die nach dem Umbau der Anschlussstelle die Immissionsgrenzwerte durch den Eingriff voraussichtlich überschritten würden. Im Rahmen der Ausführungsplanung, so sieht es der Bebauungsplan vor, sollte eine wiederholte Überprüfung durch ein Fachbüro stattfinden. Das Ergebnis ist im aktuellen Lärmgutachten, das über die gesetzlichen Vorgaben hinausgeht, dokumentiert. Nach diesem haben nun acht Gebäude an der Frankfurter Straße und der Wintertalstraße möglicherweise Anspruch auf passiven Lärmschutz, der vor Ort noch zu prüfen ist. Die Kosten trägt die Stadt Kassel.

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