Gericht ordnete Sicherungsverwahrung an

Messerstecher von Niederzwehren zu lebenslanger Haft verurteilt

Kassel. Wegen versuchten Mordes sowie gefährlicher Körperverletzung hat das Landgericht Kassel am Dienstag einen 51 Jahre alten Mann zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht ordnete eine Sicherungsverwahrung gegen den Messerstecher an.

An die heute 35-jährige Frau, die er bei der Attacke in Niederzwehren lebensgefährlich verletzt hatte, muss er ein Schmerzensgeld von 30 000 Euro zahlen. Der Mann sitzt seit 1987 fast ununterbrochen im Gefängnis. Laut Anklage und Urteil hat er am 7. Oktober vorigen Jahres auf dem Gehweg der Frankfurter Straße in Niederzwehren mit einem Küchenmesser auf zwei Frauen im Alter von 49 und 34 Jahren eingestochen.

Aktualisiert: 19.08 Uhr

Das Landgericht Kassel ließ gegen den 51-jährigen Angeklagten keine mildernden Umstände gelten. Oberstaatsanwalt Jürgen Müller-Brandt hatte bereits vorige Woche erklärt, der Angeklagte müsse wegenversuchten Mordes aus niedrigen Beweggründen zur Rechenschaft gezogen werden. Gestern forderte er eine Gesamtstrafe von zwölf Jahren.

Nach den Worten des Oberstaatsanwaltes ist der Angeklagte "voll schuldfähig", wie auch ein Sachverständiger bestätigt hat. Er sei für die schreckliche Tat vollverantwortlich. Eine Strafmilderung komme wegen der vielen Vorstrafen nicht in Frage. Weil der Mann für die Allgemeinheit gefährlich sei, beantragte Müller-Brandt auch eine Sicherungsverwahrung.

Der Anwalt des Angeklagten, Bernhard Schroer, forderte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. Ein Tötungsversuch liege nicht vor, aber eine gefährliche Körperverletzung. Für eine Sicherungsverwahrung gebe es keine Voraussetzung. "Ich bin froh, dass das Opfer überlebt hat", sagte der Anwalt.

In seinem letzten Wort entschuldigte sich der Angeklagte. Er sagte jedoch, in Angst und Schrecken gehandelt zu haben, weil er von der jüngeren Frau geschlagen worden sei. Dies hatten das Opfer und die andere Frau bestritten.

Zufall und Glück und das beherzte Eingreifen eines 20-Jährigen Zeugen hätten dazu geführt, dass die Frau überlebt habe, sagte der Vorsitzende Richter Volker Mütze bei der Urteilsverkündung. Er sprach von Tötungsvorsatz und Tötungsabsicht, von niedrigen Beweggründen und wie auch der Oberstaatsanwalt von einer dissozialen Persönlichkeitsstörung des Angeklagten.

"Was spricht für den Angeklagten", fragte der Richter, und antwortete: "Er hat sich entschuldigt, das war s dann auch." Der impulsive Täter habe "zig-fach brutal zugestochen". Gefährlicher gehe es nicht, kommentierte er die "kriminelle Energie". Eine Strafminderung könne nicht gewährt werden, weil sich in der Tat "die absolute Gefährlichkeit widerspiegelt".

Opfer leidet bis heute

"Ich bin vollstens zufrieden", sagte nach der einstündigen Urteilsverkündigung die 35-jährige Frau aus Kassel, die den brutalen Messerangriff überlebt hat, aber nach eigenen Worten heute noch schwer darunter leidet. "Jetzt bin ich erleichtert, die Strafe ist so, wie ich sie erhofft hatte."

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