Matthäuskirche

Spektakel in Niederzwehren: Drei neue Glocken per Kran in den Kirchturm

Neues Geläut für die Matthäuskirche in Niederzwehren: Gestern Mittag wurden drei Glocken mit einem Kran durch den zum Teil abgedeckten Turm in das Gotteshaus gehoben. Foto:  Roman Jäger

Niederzwehren. Aus Stahl wurde Bronze: Drei neue schwere Glocken wurden am Montag in den Turm der Matthäuskirche gehoben.

„Das ist eine tolle Sache“, sagt Bernd Geselle, ehrenamtliches Mitglied des Kirchenvorstands der Matthäuskirche in Niederzwehren. Er hätte nicht gedacht, dass er den Wechsel der Glocken noch miterlebt.

Für die evangelische Kirchengemeinde in Niederzwehren war der Montag ein ganz besonderer Tag. Mittels eines Krans mit verlängertem Ausleger wurden drei Glocken aus Bronze in den Wehrturm gehoben. Zuvor waren die drei alten Stahlglocken, die 65 Jahre in Niederzwehren geläutet haben, aus dem Turm gehoben worden.

So etwas erlebe man nur alle 1000 Jahre, sagte Pfarrer Dietrich Hering. So lange soll nämlich ein Bronzegeläut halten (siehe Hintergrund). Weit über 100 Gemeindemitglieder nutzten die Chance, sich seltene Spektakel anzusehen. So auch der Gastronom Ralf Gude, der den Austausch der Glocken mit der Kamera festhielt. „Wer weiß, ob ich in 1000 Jahren dafür Zeit habe“, scherzte Gude. Ein Teil des Kirchturms war abgedeckt worden.

„Das ist ein sehr bewegender Moment“, sagt Ortsvorsteher Harald Böttger, der seit seiner Geburt im Jahr 1956 in Niederzwehren lebt. Er ist in der Matthäuskirche getauft worden und hat dort geheiratet. Bei beiden Anlässen haben die nun ausgetauschten Glocken geläutet. Die alten Glocken hätten einen hohen ideellen Wert für die Gemeindemitglieder, so Hering. Von daher soll für sie eine würdige Bleibe gefunden werden. Am Montag wurden die drei Glocken zunächst auf den benachbarten Friedhof gebracht, wo sie zwischengelagert werden sollen.

Die drei neuen Glocken, die in der Gießerei Bachert in Karlsruhe gegossen worden sind, widmen sich dem Hohen Lied der Liebe aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 13. Dort sind auch die Namen der Glocken entnommen: Glaube, Hoffnung und Liebe. Von daher sei es auch kein Zufall, dass die Liebesglocke die größte der drei Glocken sei, so Pfarrer Hering, der die Glocken zusammen mit den Prädikanten Stephan Meyer und Mee Yung segnete.

Bei der Segnung gab es noch einmal die Gelegenheit, die Glockenzier des Potsdamer Künstlers Stephan Pietryga bei Tageslicht zu bewundern. Auf den drei Glocken sind Bezüge zur Baugeschichte der Matthäuskirche zu sehen. Ein Kreuz in Form des Grundsteins aus dem 12. Jahrhundert, eine Engelsfigur als Abbild des Schlusssteins des Turmgewölbes aus dem 15. Jahrhundert und ein Regenbogen, der sich auf die Kirchenfenster aus dem 20. Jahrhundert bezieht.

Kosten von 140 000 Euro

Pfarrer Hering dankte am Montag auch noch einmal den vielen Spendern. 75 000 Euro habe die Gemeinde bereits gesammelt, 41 000 Euro erbrachte der Verkauf von kircheneigenen Grundstücken auf dem Langen Feld. Hering geht von Gesamtkosten von rund 140 000 Euro aus. Er ist zuversichtlich, dass die fehlenden 30 000 Euro ebenfalls noch durch Spenden zusammenkommen.

Die neuen Glocken werden am Sonntag, 10. Juli, eingeweiht und zum ersten Mal zu hören sein.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.