Ex-Polizeiwohnheim wird Unterkunft für 400 Menschen

Auch Hock-Toiletten sind eingebaut - Neues Flüchtlingsheim bald fertig

Hocktoiletten: Auf jeder Etage gibt es zwei davon neben konventionellen WCs.

Kassel. Die neue Flüchtlingsunterkunft für 400 Menschen auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei in Kassel-Niederzwehren ist bald fertig. Wir haben einen Blick hinein geworfen.

Manchmal ist die Welt sehr klein. Einer der jungen Männer, die damit beschäftigt sind, Tische und Stühle in der neuen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Niederzwehren aufzubauen, bestellt Hans Werner Patzki Grüße von seinem Großvater aus Afghanistan. Den hat Patzki, Oberst außer Dienst, offenbar kennen gelernt, als er mit der Bundeswehr am Hindukusch stationiert war.

Mittlerweile ist Patzki nicht mehr für Bundeswehreinsätze verantwortlich. Seit September dieses Jahres kümmert sich der Mann aus Habichtswald um Flüchtlinge. Er hat zunächst die Erstaufnahmeeinrichtung in Lohfelden aufgebaut und geleitet, jetzt ist er für den Aufbau der Unterkunft im ehemaligen Wohnheim für Polizeischüler neben der Bereitschaftspolizei verantwortlich.

Haben Spaß an der Arbeit: Flüchtlinge aus Lohfelden bauen derzeit die Möbel für die Erstaufnahme im ehemaligen Polizeiwohnheim in Niederzwehren auf. Die Unterkunft wird geleitet von Hans Werner Patzki, Oberst außer Dienst (Mitte). Fotos:  Schachtschneider

Erklärtes Ziel: Vor Weihnachten sollen hier noch 400 neue Flüchtlinge einziehen. „Das ist eine Herausforderung“, sagt Patzki. Die letzten Handwerker haben die Immobilie gerade erst verlassen. Jetzt müssen Möbel aufgebaut werden. Am morgigen Dienstag werden 200 Etagenbetten erwartet. Hochgetragen und aufgebaut werden sie von Flüchtlingen, die derzeit in der Erstaufnahme in Lohfelden untergebracht sind.

Das sei nicht nur für das Regierungspräsidium günstiger. Auch die Flüchtlinge würden diese Jobs mögen, bei denen sie sich pro Stunde einen Euro dazu verdienten, sagt Michael Conrad, Sprecher beim RP Kassel. Da die Arbeit sehr begehrt sei, so Patzki, würden täglich 16 neue Flüchtlinge damit beauftragt.

40 Duschen: Die Container sind entlang der Frankfurter Straße aufgestellt worden.

Die 40 Duschen sind außerhalb untergebracht. Es wäre zu teuer und zeitaufwändig gewesen, sie innerhalb des früheren Wohnheims zu sanieren, sagt Patzki. Die Toiletten sind zum Teil saniert und bei Bedarf ersetzt worden. So sind neben konventionellen Toilettenschüsseln auf jeder Etage auch Hocktoiletten eingebaut worden, wie sie in der gesamten islamischen Welt üblich sind. Ob das notwendig sei, darüber könne man streiten, sagt Patzki. Fakt sei, dass die Hocktoiletten bevorzugt besetzt würden. Da es aber auf jeder Etage nur zwei davon gebe, müssten auch die anderen Toiletten genutzt werden. Die Flüchtlinge würden darüber informiert, wie diese zu benutzen seien.

Patzki hat klare Vorstellungen, wie das Miteinander der vielen Menschen funktionieren soll. Ein Ziel sei, dass Familien in einem Raum untergebracht werden. Die Zimmer bieten Platz für vier bis acht Personen. Zudem plant er eine Unterbringung getrennt nach Nationen. „Manche Nationen vertragen sich von Natur aus nicht“, sagt Patzki. Es gebe auch keine typischen Afghanen, allein mehrere Typen von Syrern (regierungstreu, regierungsfeindlich, Kurden aus dem Norden, keiner Partei zugehörig) zählt er auf. Für den Oberst a.D. ist es wichtig, sich mit den Menschen bei ihrer Ankunft zu unterhalten, um zu wissen, „ob es kritisches Potenzial“ geben könnte.

„Streitigkeiten entstehen nur, wenn viele Menschen ungeordnet zusammen kommen.“ Patzki legt Wert auf eine Hausordnung. So soll die Essensausgabe in der Verteilküche versetzt nach Etagen erfolgen, um Drängeleien zwischen den vielen Menschen zu vermeiden. Neben Gemeinschaftsräumen sind auch separate Mutter-Kind-Teeküchen vorgesehen.

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