Interessengemeinschaft Zwehren

Neue Fenster reichen nicht: Anwohner wollen Schutzwand gegen Autobahn-Lärm

Sie fordern aktiven Schallschutz an der umgebauten Anschlussstelle Niederzwehren an der A 49: (von links) Die Anwohner Günter Lehner, Norbert Schäfer, Elke Lehnert, Ronja Reiff und Rudi Reinert. Foto:  Fischer

Niederzwehren/Oberzwehren. Die Anwohner um die Autobahn-Anschlussstelle Kassel-Niederzwehren lassen nicht locker. Sie wollen sich nicht damit abfinden, dass angeblich nur acht Häuser aufgrund des Umbaus der Anschlussstelle Anspruch auf passiven Lärmschutz haben.

Einer davon ist Gunter Lehner, der an der Frankfurter Straße lebt. Lehner will sich aber nicht damit zufrieden geben, dass die Stadt Kassel ihm neue Schallschutzfenster zahlt, damit die Lärmbelästigung durch den umgebauten Anschluss an das Gewerbegebiet Langes Feld geringer wird.

Mit anderen Anwohnern hat er die Interessengemeinschaft Lärmschutz pro Zwehren gegründet. Deren Hauptanliegen ist es, dass die Stadt Kassel als Bauträger an der Auf- und Abfahrt geeignete Schutzwände baut, die nachweislich den Lärm reduzieren. Die Stadt wolle lediglich weniger effiziente Erdwälle errichten. „Diese Vorgehensweise lehnt die Interessengemeinschaft ab, weil der aktive Lärmschutz dabei nicht ausreichend umgesetzt wird“, sagt Lehner.

Bei einem Gebäude, bei dem die Fenster laut Gutachten ausgetauscht werden sollen, handelt es sich um die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (früheres Wohnheim der Polizei). Falls hier ein Austausch aller Fenster vorgesehen sei, stimme die Relation der Kosten nicht mehr, sagt Lehner. Da sei es doch billiger, wenn die Stadt im Rahmen des aktiven Schallschutzes an der Autobahn und an der Auf- beziehungsweise Abfahrt gleich Schutzwände aufstellt.

Nicht für Flüchtlinge

Uwe Bischoff vom Straßenverkehrsamt weist diesen Einwand zurück. In dem Gebäude Frankfurter Straße 365 müssten laut Gutachten nur maximal fünf Fenster auf der Ostseite ausgetauscht werden. Und erst auch dann, wenn hier keine Flüchtlinge mehr lebten, sondern zum Beispiel wenn hier später ein neues Wohnheim entstehen würde. „Derzeit gibt es keinen konkreten Anspruch“, sagt Bischoff.

Einen Korb bekommt die Interessengemeinschaft auch von HessenMobil. Die Anwohner fordern, dass sie Behörde entlang der A 49 - vom Anschluss Niederzwehren bis zum Autobahnkreuz Kassel-West - Lärmschutzwände aufstellt.

HessenMobil sieht sich laut Sprecher Horst Sinemus dazu „rechtlich nicht in der Pflicht“. Für Lärmschutz sei hier die Stadt Kassel zuständig. Das sei auch der Grund, warum man noch nie ermittelt habe, was eine Lärmschutzwand für diesen Bereich kosten würde, sagt Sinemus.

Tempo 70 ist erlaubt

Auch mit einem weiteren Wunsch scheinen die Anwohner gescheitert zu sein. Sie hatten angeregt, dass auf der neuen Auf-/Abfahrt nur Tempo 50 erlaubt ist. „Wegen des Lärms, des Umweltschutzes und der Sicherheit“, sagt Lehner. Viele Flüchtlinge liefen über die Frankfurter Straße. Wenn vor dem Ortseingang Tempo 70 erlaubt sei, dann führen viele Verkehrsteilnehmer mit 80 oder 90 in die Stadt rein. „Das ist zu gefährlich“, sagt Lehner. HessenMobil hat allerdings Schilder mit der Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 km/h ausgestellt.

Hintergrund

Acht Gebäude im Bereich des Verkehrsknotens Frankfurter Straße/Wintertalstraße hätten tatsächlich Anspruch auf passiven Schallschutz (neue Fenster) im Zuge des Umbaus der Autobahnanschlussstelle Kassel-Niederzwehren, um das Gewerbegebiet Langes Feld an die Autobahn 49 anzuschließen. Dies ist das Ergebnis eines neuen Lärmschutzgutachtens, das kürzlich den Ortsbeiräten Nieder- und Oberzwehren vorgestellt wurde.

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