Gewerbe soll sich ansiedeln

Den TÜV als Nachbarn? Stadt lehnt Wohngebiet ab

Verzichtbar: die alte und seit Jahren ungenutzte Prüfanlage des TÜV am Standort Kassel; im Hintergrund das Verwaltungsgebäude an der Knorrstraße. Die Stadt Kassel wünscht auf den Restflächen keine Wohnbebauung. Fotos: Hermann

Kassel. Für die ungenutzten und zum Verkauf stehenden Flächen auf dem TÜV-Areal an der Kasseler Knorrstraße zeichnet sich noch keine Lösung ab.

Seit der Eröffnung des Service-Centers an der Raiffeisenstraße (2011) will der TÜV die mehr als 15 000 Quadratmeter große Teilfläche vermarkten. Doch die bisherigen Interessenten, die dort Einzelhandel ansiedeln oder Wohnungen errichten wollten, erhielten nach TÜV-Angaben von der Stadt Kassel kein Baurecht. Nun will die Stadt einen Bebauungsplan aufstellen, um den Weg für Gewerbe und Dienstleister freizumachen.

Als Eigentümer und künftiger Nachbar sei man daran interessiert, das Grundstück einer attraktiven Nutzung zuzuführen, betont Erwin Blumenauer, der Geschäftsführer der TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH. Man sei derzeit mit mehreren Investoren im Gespräch. Vertragliche Bindungen gebe es aber mit einem Investor noch nicht.

Blumenauer ist seit Ende 2011 Geschäftsführer des TÜV Hessen. Wie der Schwälmer berichtet, gab es schon mehrere Interessenten/Investoren für das Areal in Kassel. Eine Vermarktung sei aber jeweils am Baurecht für die Projekte gescheitert. Schon Ende 2014 sei eine Bauvoranfrage zur Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes (Discounter) von der Stadt abgelehnt worden. Dagegen habe der Investor Einspruch eingelegt. Nach Ablehnung des Widerspruchs befinde er sich im Klageverfahren.

Dienstleister wollen nicht

Jetzt habe ein anderer Investor eine Bauvoranfrage zur Errichtung von Wohnungen gestellt, sagt Blumenauer. Auch dieser Plan treffe offenbar nicht die Vorstellungen der Stadt. Aber Dienstleister, so wie es sich die Stadt vorstelle, seien in den vergangenen Jahren für den Standort nicht zu gewinnen gewesen.

„Wir verschließen uns aber auch keiner anderweitigen Nutzung“, betont Blumenauer. Vielleicht wäre es eine sinnvolle Option, eine gemischte Nutzung mit kleinflächigem Einzelhandel und Wohnbebauung zuzulassen. Dies wäre sicherlich ein Gewinn für alle Anlieger in der Grundstückslage, meint der TÜV-Chef. Es handele sich um nicht mehr benötigte Restflächen. Abbrucharbeiten wären lediglich an der alten Prüfanlage nötig und Sache eines Investors.

„Großes Potenzial für Unternehmen“

Eine Anlage mit 150 Wohneinheiten: Für dieses Vorhaben auf der Freifläche des TÜV-Areals hat der Stadt Kassel die Bauvoranfrage eines Investors vorgelegen. „Aus städtebaulicher Sicht ist dieser Standort aber für eine Wohnnutzung nicht geeignet“, lautete die Reaktion aus dem Rathaus darauf.

Ungeeignet seien die Wohnbebauungspläne an diesem Ort vor allem wegen des Lärms, der von der benachbarten Bundesstraße 3 ausgehe, sowie wegen der Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe in der Umgebung. Diese würden ein neues Wohnquartier isolieren, heißt es in der Vorlage des Magistrats.

Heute Thema im Ausschuss

Zufahrt von der Raiffeisenstraße: das im Jahr 2011 in Betrieb genommene TÜV-Service-Center.

Mit der Beschlussvorlage werden sich am heutigen Mittwoch die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung in ihrer Sitzung ab 17 Uhr im Rathaus befassen. Nach Einschätzung der Stadt bietet das TÜV-Areal an der Knorrstraße/Raiffeisenstraße wegen der unmittelbaren Nähe zur Autobahn große Potenziale für eine Nutzung durch weitere Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen. Dazu soll ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden.

Bislang ist der Bereich des TÜV als Fläche für „Gemeindebedarf, Öffentliche Verwaltung“ und als „Gemischte Baufläche“ dargestellt, ein Teil der Fläche gilt als „unbeplanter Innenbereich“. Das soll sich mit dem neuen Bebauungsplan ändern. Er soll den Weg für weitere Betriebe freimachen und einer Wohnbebauung einen Riegel vorschieben.

Über die Vorlage wird die Stadtverordnetenversammlung am Montag, 1. Februar, beraten und beschließen. Die Mitglieder der Bau- und Planungskommission sowie des Magistrats haben der Bebauungsplanung bereits zugestimmt.

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