Verkehrskontrolle, Spurensicherung, Schießen

So werden junge Polizisten in Kassel ausgebildet

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Spielerisch die Polizeiarbeit lernen: Die Polizeianwärter Daniel Kunzemann (von links) und Christopher Jentzsch bei der Ermittlungsarbeit nach einem Einbruch. Das Opfer (rechts) wird von Polizeianwärter Maximilian Dziwoki dargestellt. Dozent Thomas Lohrum, der Polizeibeamter in Eschwege ist, bringt den Nachwuchs-Polizisten bei, wie sie richtig an einem Tatort agieren müssen.

Kassel. Die Einsätze der Bereitschaftspolizisten aus Niederzwehren sind vielfältig, aber oft nicht der Öffentlichkeit bekannt. Wir stellen ihre Arbeit vor.

Die Einbrecher kamen durch das Fenster, das noch offen steht. Christopher Jentzsch und Daniel Kunzemann sind zum Tatort geeilt, um sich von Maximilian Dziwoki schildern zu lassen, was in seinem Wohnzimmer passiert ist. Dziwoki ist in Wahrheit aber gar kein Opfer, er spielt es nur: Ebenso wie Jentzsch und Kunzemann keine Polizeibeamten sind. Noch nicht.

Die drei jungen Männer sind Polizeianwärter im zweiten Semester, die bei der Bereitschaftspolizei in Niederzwehren die praktischen Grundlagen des Polizeiberufs lernen.

Eine Wache zum Üben: Die Polizeianwärter Nadja Strege und Felix Weis sammeln im zweiten Semester praktische Erfahrungen für die Polizeiarbeit.

Alle Polizeianwärter, die bei der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung studieren, werden nach der Fachtheorie zu Beginn des Studiums im zweiten Semester bei der Bereitschaftspolizei mit dem Alltag des Berufs vertraut gemacht, sagt Wolfgang Schierer, Leiter der Aus- und Fortbildungseinheit in Niederzwehren. Das geschieht in 50 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten pro Woche. Täglich von 7 bis 16.30 Uhr dauert dieser Unterricht, den die Anwärter in Uniform besuchen. „Dadurch sollen sie sich auch an ihre Berufskleidung gewöhnen“, sagt Hans-Werner Derx, stellvertretender Leiter der IV. Abteilung der Bereitschaftspolizei.

Und diese Ausbildung findet auch im sogenannten Tatortzimmer statt. Dort ist eine Wohnung aufgebaut, in der verschiedene Verbrechen-Szenarien nachgestellt werden können. Anzeigenaufnahme und Spurensicherung werden hier den jungen Menschen beigebracht. Berufspraxis ist angesagt: Unter den Dozenten sind auch Polizeibeamte, die sonst auf einer Dienststelle in Nordhessen arbeiten. Ebenso ist dort eine Wache aufgebaut, in der die jungen Menschen lernen, wie man mit der Technik umgeht und mit dem Bürger spricht. Die Kommunikation mit den Menschen spielt bei der Ausbildung ohnehin eine große Rolle.

Schießen, Einsatztraining (Selbstverteidigung und Eigensicherung) sowie Sport gehören natürlich auch zu der Ausbildung der jungen Anwärter. 13 Einheiten Schießen stehen pro Woche auf dem Plan, damit die Anwärter im Umgang mit der Dienstwaffe P 30 (von Heckler und Koch) sicher werden.

Kontrollübung: Ausbilder Thomas Breuer (links) steht Polizeianwärter Marc Trabert beim Schießen zur Seite. Trabert befindet sich bereits im sechsten Semester und ist im Sommer mit seiner Ausbildung bei der Polizei fertig.

Zudem werden die Anwärter in Erster Hilfe, dem Umgang mit Pfefferspray und Teleskopschlagstock geschult, Verkehrsunfallaufnahmen und Überwachung stehen ebenso wie ein Fahrtraining auf dem Programm, auch wenn man reale Verfolgungsjagden nicht üben könnte, sagt Derx. Apropos Realität: Besonders beliebt seien bei den Studierenden die echten Verkehrskontrollen, bei denen sie mitmachen dürfen.

Das Praxissemester finde gleich im zweiten Semester statt, damit die Anwärter sehr früh erkennen können, was später im Alltag auf sie zukommt, sagt Schierer. „Die meisten haben sehr großen Spaß daran. In den vergangenen Jahren haben nur zwei Anwärter nach dem Praxisteil die Ausbildung abgebrochen.“

Nachdem die Studierenden 19 Wochen lang bei der BePo die praktischen Grundlagen erworben haben, schließt sich ein achtwöchiges Praktikum in einem Polizeipräsidium an, wo sie im Streifenwagen mitfahren dürfen. Im dritten Semester ist dann allerdings wieder Fachtheorie bei der Hochschule angesagt.

Kleinste Abteilung in Hessen

Die Hessische Bereitschaftspolizei als Teil der Schutzpolizei ist in vier Abteilungen mit den Standorten Wiesbaden, Mühlheim, Lich und Kassel untergliedert. Der Bereitschaftspolizei obliegen schwerpunktmäßig folgende Aufgaben: Bewältigung von Einsätzen aus besonderem Anlass in Hessen und als Unterstützung anderer Bundesländer (u. a. Demonstrationen, Kundgebungen, Fußballspiele, Messen) sowie die Unterstützung des polizeilichen Einzeldienstes des Landes Hessen.

Die Wasserschutzpolizei, die Polizeifliegerstaffel, die Polizeireiterstaffel sowie das Landespolizeiorchester gehören zur Bereitschaftspolizei, dessen Präsidium in Wiesbaden steht. Die kleinste Abteilung ist die IV. Abteilung der Bereitschaftspolizei in Kassel-Niederzwehren. Hier gibt es eine Einsatzeinheit mit rund 50 Kräften, eine Beweis- und Festnahmeeinheit mit rund 50 Kräften sowie die Aus- und Fortbildungseinheit mit 31 Kräften.

Außerdem gehören noch die Führungsgruppe mit 13 Mitarbeitern sowie die Waffenwerkstatt mit zurzeit fünf Mitarbeitern und die Werkstatt für Informations- und Kommunikationstechnik mit drei Mitarbeitern zur Dienststelle

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