Gesamte Branche in der Krise

Niedriger Ölpreis in Kassel angekommen: Wintershall legt Sparprogramm auf

Muss sparen: Die Wintershall Holding GmbH. Unser Foto zeigt die Zentrale an der Friedrich-Ebert-Straße 160. Foto: Malmus

Kassel. Jahrelang hatte Wintershall die Lizenz zum Geldverdienen – aber so richtig. Regelmäßig überwiesen die Kasseler Milliarden an die große Mutter BASF.

BASF hatte wegen der stark gesunkenen Rohölpreise für 2015 erst unlängst einen Gewinneinbruch um 18 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro verkündet. Doch für das abgelaufene Jahr werden die erfolgsverwöhnten Kasseler nicht viel oder möglicherweise gar kein Geld an den Rhein überweisen. Der Ölpreisschock ist endgültig in Deutschland angekommen.

Wintershall steuert gegen. Mit einem Sparprogramm sollen in der Zentrale in Kassel in diesem Jahr mehr als fünf Millionen Euro weniger ausgegeben werden. Das Sparvolumen soll aber nicht nur über einen Einstellungsstopp, sondern auch über die Reduzierung von Reise- und Fortbildungskosten sowie Aufwendungen für interne Sport- und Fitnessangebote erreicht werden. Bestehende Betriebsvereinbarungen würden aber nicht berührt, heißt es in der Firmenzentrale im Vorderen Westen.

„Das Sparpaket für die Zentrale ist ein Baustein von vielen. Dabei geht es nicht nur um Kostensenkungen, sondern um die Fokussierung aufs Wesentliche“, erklärte Vorstandschef Mario Mehren. Ein Sprecher sagte, dass es ähnliche Personalprogramme auch anderen Standorten gebe beziehungsweise folgen könnten. Wintershall ist weltweit unterwegs. In der Gruppe beschäftigt das Unternehmen mehr als 2400 Mitarbeiter.

Unter dem aktuellen Ölpreisverfall leiden nicht nur eine ganze Branche, sondern auch zahlreiche Förderländer, deren einzige oder wichtigste Einnahmequelle das „schwarze Gold“ und Gas ist. Venezuela ist praktisch Pleite, Russland strauchelt, und selbst Länder wie Saudi-Arabien, die bis vor kurzem noch im Geld schwammen, müssen sparen – erstmals seit Jahrzehnten. Eine rentable Förderung ist bei den jetzigen Preisen in vielen Fördergebieten nicht mehr möglich – etwa in der Nordsee, was auch Großbritannien und Norwegen besonders hart trifft.

Gestern gaben die Preise erneut nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent war für 26,70 Euro, das vergleichbare US-Produkt WTI für 25,60 Euro zu haben. So billig war der Stoff zuletzt vor 14 Jahren. Die Höchststände notierte Rohöl im Frühjahr 2010, als ein Barrel nach aktuellem Umrechnungskurs um 95 Euro kostete. Vor 15 Monaten war es noch für 87 Euro zu haben.

Grund für den dramatischen Preisverfall, der in den letzten Tagen und Wochen auch die Börsen rund um den Globus nach unten gezogen hat, ist einerseits das Überangebot und andererseits die insgesamt geringe Nachfrage infolge der schwächelnden Wirtschaft in einigen Teilen der Welt. Branchenkenner und Kapitalmarktexperten warnen schon lange vor den negativen Folgen der anhaltenden Preistiefs.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.