Veranstalter bekommen an immer mehr Orten Gegenwind

Nur noch Kassel will MMS-Messe beherbergen

Kassel. Die Veranstalter des umstrittenen Wunderheilerkongresses „Spirit of Health“ am Wochenende in Kassel geraten unter zunehmenden öffentlichen Druck.

Dieser führt zum Rückzug von Referenten und zur Absage weiterer geplanter Veranstaltungen.

Nachdem der Deutsche Konsumentenbund den Organisatoren eine Abmahnung wegen unzulässiger Werbung mit falschen Doktortiteln geschickt hatte, wurden inzwischen alle solche Angaben von der Kongress-Website beseitigt. Zuvor hatten sich diverse Propagandisten des ätzenden „Wundermittels“ MMS und weiterer obskurer Methoden auf der Seite mit gekauften Pseudotiteln geschmückt, um heilkundliche Kompetenz vorzuspiegeln.

Parallel dazu setzen sich einige tatsächliche Doktoren offenbar von der Veranstaltung ab. Angekündigt waren zu der Messe im Kongress-Palais auch Dr. Dietrich Klinghardt und Dr. Joachim Mutter, die zwar ebenfalls höchst obskure Heilansichten vertreten, aber zumindest über eine nachweisbare akademische Arztausbildung verfügen. Beide hätten ihre Teilnahme „aufgrund wichtiger Termine“ abgesagt, heißt es auf der Facebook-Seite von „Spirit of Health“.

Die Veranstalter, die ihr Geld hauptsächlich mit dem Vertrieb des von Gesundheitsbehörden kritisierten Präparats MMS verdienen, bekommen an immer mehr Orten Gegenwind. Für das erste Maiwochenende war in Südengland ein Kongress wie in Kassel geplant, doch zwei Tagungsstättenvermieter hintereinander haben die Wunderheiler nach Protesten von Scharlatanerie-Gegnern vor die Tür gesetzt. Jetzt ist noch eine weitere MMS-Messe geplatzt, die am 2. Mai an der niederländischen Nordseeküste stattfinden sollte.

In der Stadt Noordwijkerhout könne der Kongress „aufgrund von Umständen leider nicht stattfinden“, ist seit Wochenbeginn auf der niederländischen Spirit-of-Health-Seite zu lesen. Interessenten werden per Mausklick zur Kartenbestellung für „den deutschen Kongress“ in Kassel weitergeleitet. Für die nebulöse Absage werden keine näheren Gründe genannt. Gegen die Hotelkette NH, die ihr „Conference Center Leeuwenhorst“ an die MMS-Truppe vermietet hatte, gab es im Vorfeld allerdings öffentliche Boykottaufrufe niederländischer Anti-MMS-Aktivisten.

Somit wird lediglich noch Kassel zur Gastgeberstadt für die Wunderheilertruppe werden. Verantwortliche der Stadt sehen das mit gemischten Gefühlen, scheuen aber vor einer Kündigung des stadteigenen Kongress-Palais zurück, weil vertragsrechtliche Klagen befürchtet werden.

Den Kongressvermarktern von Kassel Marketing ist die Sache offenbar so unangenehm, dass die vom 24. bis 26. April stattfindende „Spirit of Health“ im Internet-Kalender „Aktuelle Kongresse und Veranstaltungen“ verschwiegen wird.

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