Professor Ulrich Kutschera über Geschlechterforschung

Kasseler Biologe: Frauen-Mafia am Werk

Bild aus Kutscheras Buch: Der Autor schreibt, diese Karikatur aus dem 19. Jahrhundert könne „als frauenfeindlich interpretiert“ werden. Aber auch Männer seien damals so dargestellt worden.

Kassel. Der Kasseler Biologie-Professor Ulrich Kutschera hat zum Rundumschlag gegen die Geschlechterforschung ausgeholt.

In provokanten Thesen (Zitate: siehe unten) legt der umstrittene Wissenschaftler der Uni Kassel einmal mehr dar, warum er „Gender Studies“ für eine gefährliche Pseudowissenschaft hält. Deren „Frau-gleich-Mann-Ideologie“, wie der 61-Jährige sie nennt, sei ein Angriff auf das klassische Rollenbild der Geschlechter und gefährde nicht weniger als den Fortbestand der Menschheit.

Zitat aus dem Buch von Kutschera (mit dem er einen Kollegen recht gibt):

„Neue Studien haben gezeigt, dass Frauen und Männer sich genetisch in etwa derart unterscheiden wie Menschen und Schimpansen.“ (Mehr Zitate finden Sie unten)

Der Evolutionsbiologe hatte bereits in mehreren Interviews seine harsche Kritik an der Genderforschung, die auch an der Kasseler Uni betrieben wird, geäußert. Daraufhin war er von der Uni-Leitung zur Mäßigung aufgefordert worden, da seine Äußerungen das vertretbare Maß an inhaltlicher Kritik überschritten hätten.

Ulrich Kutschera

Offenbar hat sich Kutschera den Fingerzeig des Uni-Präsidiums nicht zu Herzen genommen. Mit seinem neuen Buch „Das Gender-Paradoxon“ gibt er auf 440 Seiten seiner Verachtung gegenüber den Gender-Studien („generieren akademisch klingenden Papiermüll“) Ausdruck. So schreibt er von „fundamentalistischen Feministinnen“, die ihr „radikales Programm“ mit „Mafia-artigen Kampfmethoden“ in alle Gesellschaftsbereiche getragen hätten.

Die Vorstellung der Vertreter der Gender-Studies, dass die Rollenzuschreibungen von Mann und Frau erst im Laufe eines Lebens kulturell geprägt werden, sei nicht nur falsch, sondern auch schädlich: Wer versuche, junge Frauen mit allen Mitteln zu einem Ingenieurstudium zu überreden, der betreibe „geistige Vergewaltigung“ und „Staats-Terrorismus“ und ignoriere die naturgegebenen Neigungen der Menschen.

Schon früh würden die Kinder in Deutschland im Sinne der „Frau-gleich-Mann-Ideologie“ beeinflusst. Dies geschehe in „staatlichen Aufzuchtanstalten bzw. Kinder-Depots“, schreibt Kutschera und meint damit Kitas und Schulen.

Zwar schreibt er, dass junge Männer, die sich freiwillig für Elternzeit entschieden, seinen Respekt verdienten. Allerdings sei es destruktiv, sie gegen ihren Willen für die Kindererziehung heranzuziehen: Evolutionsbiologen wüssten, „dass viele Männer mit Babys überhaupt nichts anfangen können bzw. gestresst-aggressiv auf deren Hilferufe reagieren, und dass ein von Männern ausgeübter Infantizid (Kindestötung) während der Stammesentwicklung des Menschen ein natürlicher Auslesefaktor war.“

Wenn ein Mann sich nicht um sein Kind kümmere, sei er kein Rabenvater, sondern „unschuldig“, weil sein hoher Testosteronspiegel dieses Verhalten bedinge.

Zitate aus Buch

„Mann-Weiber“

• „In der radikalisierten Version der Gender-Mainstreaming-Ideologie werden Männer als Vergewaltiger, Verbrecher, Frauen-Schänder usw. bezeichnet und die [...] etablierte Familie (Vater, Mutter mit Kindern) abgelehnt bzw. bekämpft.“

• „Die Mehrheit der Normalfrauen (ca. 75 Prozent), die den Genderismus ablehnen, wird von einer kleinen, meist kinderlosen und lesbisch veranlagten selbsternannten Befreierinnen-Minderheit (Mann-Weiber) terrorisiert“.

• „Die Gender Studies sind [...] eine mit dem Kreationismus geistesverwandte universitäre Pseudowissenschaft bzw. ein akademischer Wildwuchs, der sich wie ein Krebsgeschwür ausbreitet und seinem Wirtskörper Hochschule die Lebensgrundlage streitig macht.“

• „Da es immer mehr studierte Damen gibt, fehlen für Männer ohne Hochschulabschluss Frauen mit gleichem (bzw. niedrigerem) Bildungsniveau. Diese gebildeten, nicht aber studierten Männer finden demgemäß keine Partnerin mehr und sind dann auf Import-Bräute (z.B. aus Thailand) angewiesen.“

• Kutschera schließt sich der Äußerung eines Kollegen an, der sagte: „Neue Studien haben gezeigt, dass Frauen und Männer sich genetisch in etwa derart unterscheiden wie Menschen und Schimpansen.“

• Die „Herren der Schöpfung“ hätten „eine Reihe schwerwiegender Probleme“ zu bewältigen: „Mangels biologischer Reproduktionsfähigkeit ist eine starke Tendenz zur Selbst-Aufopferung im Beruf zu verzeichnen, wie die Biografien großer Naturwissenschaftler, Komponisten und anderer kreativer Männer eindrucksvoll belegen.“ (bal)

Das sagt die Universität

Die Uni Kassel wollte sich auf HNA-Anfrage nicht zu Kutscheras Buchveröffentlichung äußern. Ein Sprecher verwies auf Stellungnahmen aus 2015, in denen sich die Uni-Leitung klar zur Frauen- und Geschlechterforschung bekannt hatte. Debatten müssten überdies vom gegenseitigen Respekt der Disziplinen geprägt sein. Es sei nicht akzeptabel, wenn Mitglieder der Universität bestimmten wissenschaftlichen Disziplinen die fachliche Kompetenz und Reputation absprechen. (bal)

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