Neue Führung will Standort eine Chance geben

Bombardier: Lokwerk-Schließung in Kassel ist vorerst vom Tisch

Kassel. Die geplante Abwicklung des Kasseler Lokwerks ist offenbar vom Tisch. "Wir bekommen die Chance zum Neuanfang“, erklärte Betriebsratsmitglied Erhard Peter im HNA-Gespräch.

Der 60-Jährige sitzt für die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat des deutsch-kanadischen Bahntechnik-Herstellers Bombardier und wirkt an vielen wichtigen Entscheidungen mit.

Peter warnt aber vor Euphorie. Eine Verlagerung von Teilen der Produktion ins italienische Schwesterwerk in Vado Ligure werde nach wie vor angestrebt. „Wir müssen jetzt einige Hausaufgaben machen“, sagte er mit Blick auf interne Probleme. „Aber wir stellen uns den Herausforderungen“, so Peter weiter. Der Neuanfang müsse im Interesse der Kunden, des Produkts und des Standorts sein. „Wenn wir jetzt alles richtig machen, hat das Werk eine gute Zukunft“, erklärte Peter. Ein Unternehmenssprecher erklärte auf Anfrage, dass man zu Spekulationen über Standorte keine Stellung nehme.Wie berichtet, waren Anfang März Pläne durchgesickert, nach denen die Kasseler Produktion schrittweise nach Vado Ligure verlagert und der nordhessische Traditionsstandort abgewickelt werden sollte. Beschäftigte, Gewerkschaft und die gesamte Region antworteten mit unerwartet massivem Protest – zumal die Auslastung des Standorts dank zweier Großaufträge der Deutschen Bahn auf Jahre gesichert ist.

In der Führungsebene in Berlin entbrannte darüber ein Führungsstreit, den offenbar die Kassel-Befürworter für sich entscheiden konnten. Wie berichtet, musste Bombardier-Europa-Chef Dieter John seinen Hut nehmen. Und unlängst folgte ihm der bisherige Lokchef Ulrich Jochem, der ebenfalls gegen Kassel war.

Nach gut 100 Loks 2015 sollen in diesem Jahr 115 Zugmaschinen die Hallen im Werk Mittelfeld an der Holländischen Straße verlassen. Dort beschäftigt der Lokbauer 850 Mitarbeiter.

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