53-Jähriger wollte sich vor Flammen ins Freie retten

Tödliches Feuer in der Nordstadt: Opfer schleppte sich auf den Balkon

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Großer Wohnkomplex am Holländischen Platz: In dem Gebäude, das sich in einem Innenhof fortsetzt, gibt es nach Angaben der Hausverwaltung 200 Wohnungen.

Kassel. Am Morgen nach dem tödlichen Feuer liegt ein beißender Geruch im Haus. Von der Wohnung im fünften Stock ist er bis ins Foyer des Gebäudes an der Holländischen Straße gezogen.

Das Apartment, in dem in der Nacht ein Mann ums Leben kam, ist mit weiß-rotem Flatterband abgesperrt. Die Tür fehlt, sodass man vom Flur in das total ausgebrannte und rußgeschwärzte Apartment blicken kann.

In der Nacht hatten sich dramatische Szenen in dem Haus abgespielt. Der 53-jährige Mieter der Wohnung hatte offenbar noch versucht, sich vor den Flammen auf den Balkon in Sicherheit zu bringen. „Ich habe ihn noch um Hilfe rufen hören“, berichtet Josef Mika. Da war die Feuerwehr schon alarmiert. Doch dann seien die Schreie verstummt. Ihm sei es wie eine Ewigkeit vorgekommen, bis die Feuerwehr eingetroffen sei, sagt Mika – dabei handelte es sich nur um Minuten.

Die Feuerwache liegt kaum 200 Meter von dem Apartmenthaus entfernt. Auch andere Bewohner hatten sich auf ihre Balkone geflüchtet oder machten sich aus geöffneten Fenstern bei den Einsatzkräften bemerkbar. In den Hausfluren hatte sich bereits Rauch verteilt.

Im Innenhof des Gebäudekomplexes wurde sofort die Drehleiter ausgefahren, um die Rettung und parallel die Löscharbeiten einzuleiten, berichtet Sebastian Opper, Einsatzleiter der Kasseler Feuerwehr. Auf dem Balkon der Brandwohnung war der Mann seinen schweren Verletzungen jedoch bereits erlegen.

Die Bewohner des Nachbar-Apartments, eine 53-jährige Frau und ein 59-jähriger Mann, wurden von der Feuerwehr in Sicherheit gebracht. Sie erlitten Rauchgasvergiftungen und wurden in ein Krankenhaus gebracht.

Weitere Bewohner wurden teils per Drehleiter, teils über das Treppenhaus gerettet. Um sie vor dem gefährlichen Rauchgasen in den Fluren zu schützen, zogen die Feuerwehrleute ihnen sogenannte Brandfluchthauben über. Das sind Schutzkappen, die an Mund und Nase mit Atemfiltern ausgestattet sind.

Für die Dauer des Einsatzes war eine Spur der Holländischen Straße stadteinwärts bis um 6.30 Uhr gesperrt. Im Berufsverkehr kam es zu Behinderungen. Die meisten Bewohner konnten am Mittwoch in ihre Wohnungen zurückkehren.

Nach Angaben der Hausverwaltung Peters (mit Sitz in Vellmar), die das Gebäude betreut, sind durch den Wasserschaden die beiden Apartments unter der Brandwohnung unbewohnbar. Den Mietern wurde eine Verlegung in ungenutzte Wohnungen angeboten.

In dem Haus befinden sich 203 größtenteils vermietete Eigentumswohnungen sowie sechs Gewerbeeinheiten, sagte Sabine Wimmel, Inhaberin der Hausverwaltung. Wie hoch der durch den Brand verursachte Schaden ist, soll ein Gutachten noch klären. Auch die Ermittlungen der Polizei zur Brandursache dauern an.

Ein Toter bei Wohnungsbrand am Holländischen Platz in Kassel

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