Gasleitung verrottet: Chemieräume an Knipping-Schule können nicht genutzt werden

Sanierungsstau an der Knipping-Schule: Mit modernsten Geräten ausgestattet, allein die Infrastruktur der Schule kann nicht mithalten. Dina Fächer, Rudolf Zajutro, Tobias Schuchardt und Lukas Dülfer arbeiten in einem naturwissenschaftlichen Fachraum. Fotos: Koch

Kassel. An der beruflichen Elisabeth-Knipping-Schule in der Kasseler Nordstadt ist der Sanierungsbedarf deutlich zu sehen. Gravierender sind aber die weniger sichtbaren Schäden.

In einigen Chemie-Fachräumen mussten aus Sicherheitsgründen die Versorgungsleitungen stillgelegt werden.

Der Sanierungsbedarf fällt schon beim Gang durch das Schulgebäude ins Auge: fleckige, abgeriebene Teppichböden, abgestoßene Möbel, Türen, die schief in den Angeln hängen, Toiletten mit verfärbten Becken und Türen, die vom vielen Fußbodenwischen angefressen sind.

Das, was Schulleiter Günter Wagner am meisten Bauchschmerzen bereitet, kann man nicht sehen: Es ist der „desolate Zustand“ der naturwissenschaftlichen Fachräume. „In einigen der Räume mussten wir aus Sicherheitsgründen sämtliche Versorgungsleitungen - ob Abluft oder Gasleitungen - abschalten. „Sie waren völlig verrottet. Diese Räume können jetzt nur noch als Klassenräume genutzt werden.“ Ein Skandal, findet Wagner, denn: „Wir sind die einzige Schule in der Region, die mit den Bereichen Chemie- und Biotechnik in Mint-Berufen ausbildet.“ (Mint ist die Abkürzung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik).. Es könne nicht sein, dass die Schule in ihrem Bildungsauftrag so stark eingeschränkt wird. Alle beklagten den Fachkräftemangel. „Und wir möchten Schüler für die berufliche Ausbildung in naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen begeistern.“

Von den Einschränkungen durch die Mängel in den Chemie- und anderen Fachräumen sind zurzeit hundert Schüler betroffen, vor allem angehende Chemielaboranten sowie chemisch-technische und bilogisch-technische Assistenten.

Die heutigen Schüler kennen ihre vor 35 Jahren in der Nordstadt als 3. Berufsschulzentrum gebaute Schule nicht anders als abgewetzt. „Das ist teilweise schon ziemlich alt hier“, sagt Lars Joachim (22).

Abgenutzt: Die Inneneinrichtung der Schule ist in die Jahre gekommen und zeigt deutliche Gebrauchsspuren.

Doch Wagner möchte nicht länger Mangel verwalten. „Warum kann man den Schülern nicht Wertschätzung entgegenbringen, indem man ihnen gute Lernbedingungen schafft?“ Er ist verärgert, weil er die Kommunalpolitiker seit langem immer wieder über den Zustand der Schule an der Mönchebergstraße informiert und sein Anliegen formuliert. „Und jetzt muss ich in der HNA lesen, dass die Stadt ein 42 Millionen Euro schweres Investitionsprogramm auflegt, aber unter den zehn begünstigten Schulen ist die Knipping-Schule nicht dabei.

„Ich freue mich ja, dass die Stadt in Bildung investiert, aber warum ausgerechnet wir ausgespart bleiben, ist mir ein Rätsel.“ Die Schule in der Nordstadt habe keine Lobby, folgert er. Dabei leistete die Knipping-Schule zusammen mit der Hegelsbergschule und dem Kulturzentrum Schlachthof im Stadtteil „unverzichtbare Integrationsarbeit“. „Ich erinnere mich gut an die Programme zur Kommunalwahl, in denen versprochen wurde, dass berufliche Schulen gefördert werden.“

Vor diesem Hintergrund hat jetzt der „Arbeitskreis der Schulleiter der beruflichen Schulen in Kassel“ einen Brief verfasst und an die Fraktionen von SPD, CDU, Grünen und FDP geschickt. Er appelliert darin an die Politiker, die versprochene Stärkung der beruflichen Schulen auch endlich umzusetzen.

Das sagt die Stadt

Auf die Frage, warum die EKS s anders als zehn Kasseler Schulen – nicht im Investitionsprogramm berücksichtigt wurde, antwortet Stadtssprecher Sascha Stiebing: Die bekannten Vorschläge für das Kommunale Investitionsprogramm wurden vom städtischen Amt Hochbau und Gebäudebewirtschaftung aus einem Pool anstehender Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 100 Mio. Euro ausgewählt.“ Die aufgeführten Projekte seien alle aus unterschiedlichen Gründen dringlich. Weitere Kriterien für die Auswahl waren die Machbarkeit, die Vermeidung von Folgekosten und der Stand der Planung. Beim Wilhelmsgymnasium handele es sich im Wesentlichen um eine Dachsanierung und den Austausch von Fenstern. Die Sanierung von abgängigen Flachdächern habe höchste Priorität. “Gefördert im Rahmen des Bundesprogramms wird die Energetische Sanierung. Die gewählte Maßnahme entspricht diesen Anforderungen vollständig, die Knipping-Schule nicht."

Großer Sanierungsbedarf an Elisabeth-Knipping-Schule

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