Holländische Straße kurzzeitig in "Halitstraße" umbenannt

Nach Gedenken an NSU-Opfer: Demonstranten störten AfD-Versammlung

Kassel. Nach der nicht angemeldeten Demonstration an der Holländischen Straße ist es am Dienstagabend in Kassel zu Tumulten im Philipp-Scheidemannhaus in der Nordstadt gekommen.

Im Rahmen einer bundesweiten Gedenkaktion für die Opfer der NSU-Mordserie hatten die Initiative „Keupstraße“ und die Kasseler „Initiative 6. April“ zu der Veranstaltung aufgerufen und die Holländische Straße sowie die Mombachstraße symbolisch in Halitstraße und Keupstraße unbenannt.

Etwa 15 bis 20 Demonstranten seien nach der Demonstration am Halitplatz zum Scheidemannhaus gezogen und in einen Saal eingedrungen, wo eine Mitgliederversammlung der Partei Alternative für Deutschland (AfD) stattgefunden habe, sagt Polizeisprecher Torsten Werner auf Anfrage der HNA. Dort hätten sie gegrölt und gepöbelt, ein Mitglied der AfD sei auch geschubst worden. Mitglieder der AfD hätten Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs und Körperverletzung erstattet. Die Polizei habe Personalien festgestellt.

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Manfred Mattis, Sprecher des AfD-Kreisverbands Kassel Stadt berichtet, dass gegen 19.30 Uhr die Tür des Saals geöffnet worden sei und eine dunkel gekleidete Person gesagt habe: „So sehen also Rechtspopulisten aus.“ Dann sei die Tür wieder geschlossen worden. Etwa zehn Minuten später sei die Sprecherin des AfD-Verbands Kassel Land in den Saal gekommen und hätte mitgeteilt, dass etwa 15 Antifa-Aktivisten ihre Sitzung störten.

Laut Mattis hätten die Demonstranten die Mitglieder der AfD als Nazis und Rechtspopulisten beschimpft. Ein AfD-Mitglied habe entgegnet, er sei Jude und den linken Aktivisten angeboten, über den Begriff Rechtspopulismus zu diskutieren. Dieses Angebot hätten die Störer aber nicht angenommen, stattdessen nur Stühle auf den Boden hin- und hergeschoben, so dass durch die lauten Geräusche keine Debatte möglich gewesen sei, sagt Mattis. Die Demonstranten hätten zudem den „Stinkefinger“ gezeigt. Ein AfD-Mitglied habe die Störer fotografiert. Daraufhin sei dem Mann die Kamera aus der Hand gerissen worden. Als er diese wieder aufheben wollte, sei er von einem Antifa-Aktivisten von hinten geschubst worden und gestürzt.

Mattis gibt auch Politikern der etablierten Parteien Schuld für diesen Übergriff. Überall werde gegen die AfD Angst geschürt. Dadurch werde die Partei „zum Freiwild“ erklärt.

Vor diesem Übergriff hatten 60 Personen am Halitplatz friedlich demonstriert und den NSU-Opfern mit Redebeiträgen und Gesangseinlagen in deutscher und türkischer Sprache gedacht. Diese Demonstration war nicht angemeldet worden, wie Petra Bohnenkamp, Sprecherin der Stadt bestätigt. Angesichts der „menschlichen und politischen Dimension, die die Aktion der Initiative „Keupstraße“ hat“, habe sich die Stadt Kassel dafür entschieden, die Versammlung dennoch nicht auflösen zu lassen. „Es handelt sich um eine absolute Ausnahme wegen der Bedeutung, die die Taten des NSU in der Geschichte der Bunderepublik und in Kassel die Ermordung von Halit Yozgat haben.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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