Uni Kassel: Team bringt intelligente Wärmesteuerung für Hotels auf den Markt

+
Eine runde Sache: Betterspace-Mitarbeiterin Christine Holstein und Mitgründer Christopher Müller zeigen die kleinen Boxen, mit denen viele Heizkörper vernetzt und über eine zentrale Steuerungseinheit individuell geregelt werden können.

Kassel. Der Hotelgast kommt ins Zimmer, das bereits wohlig warm ist – die Heizung hat ihn schon erwartet. Wenn er auscheckt, drehen sich die Heizkörper wie von Zauberhand herunter.

Das Kasseler Jungunternehmen Betterspace verleiht Hotelheizungen Köpfchen. Mit ihrem intelligenten Steuerungssystem „Better.Hotel“ gehen die Gründer aus dem Science Park der Uni jetzt an den Markt.

Mit stets angenehm temperierten Zimmer steige nicht nur der Komfort für Gäste, sagt Christopher Müller, einer der vier Gründerväter von Betterspace. Zugleich könnten Hoteliers durch die Heizkörpersteuerung ihren Energieverbrauch reduzieren und damit Kosten sparen. Dadurch werde auch die Umwelt entlastet.

Eineinhalb Jahre hat das Team aus Informatikern, Elektrotechnikern und Betriebswirtschaftlern – alle Absolventen oder Studenten der Uni Kassel – an der Entwicklung getüftelt. In einer Pilotphase haben sie die Technik während der zurückliegenden Heizperiode in 15 Hotels in der Region getestet. Im Schnitt sanken die Heizkosten um 30 Prozent, berichtet Müller.

Herzstück ist Software

Herzstück der Entwicklung ist eine spezielle Software. Diese ist an das Buchungssystem des Hotels angebunden und weiß demnach, wann die einzelnen Zimmer belegt sind. In den Zimmern sind die Heizkörper mit Funkthermostaten ausgestattet, die über kleine runde Boxen (sogenannte Controller) in den Hotelfluren miteinander vernetzt werden. Diese wiederum sind an den zentralen Mini-Computer (Gateway) angebunden, der alle Heizkörper im Hotel regeln kann.

Wetterprognose fließt mit ein

Das System, das auch mit aktuellen Wetterdaten gefüttert wird, stellt sich auf jeden Raum und seine Eigenschaften ein. Je nachdem wie lange das Zimmer unbesetzt ist, entscheidet die intelligente Steuerung, auf welche Temperatur die Heizung heruntergestellt wird und wann das Aufheizen für den nächsten Gast beginnen muss. Auch wenn ein Fenster offen steht, erkennt das System das am Temperaturabfall im Raum. Um Energie sprichwörtlich nicht aus dem Fenster zu werfen, drosselt es die Heiztätigkeit.

Frierkatzen oder Heißblüter haben nichts zu befürchten: Die Heizkörper können trotzdem jederzeit manuell verstellt werden. „Der Gast soll sich nicht entmündigt fühlen“, sagt Christopher Müller.

Für ihre Entwicklung sind die Gründer, die sich inzwischen zum 15-köpfigen Unternehmen gemausert haben, kürzlich bei dem Wettbewerb „Smart Home Awards“ in Berlin als eins der besten Start-ups ausgezeichnet worden.

Die intelligente Gebäudesteuerung, die für Einfamilienhäuser bereits fortgeschritten ist, will Betterspace nach und nach für Hotels weiterentwickeln: Auch Klimaanlage, Licht und Jalousien sollen vernetzt werden. Und nachdem sie Hotels zu einem besseren Ort gemacht haben, wollen die Kasseler sich das Energiemanagement von Büros, Krankenhäusern und Schulen vornehmen. www.betterspace.de

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.