Leichen, Körperteile, Organe

Ausstellung „Echte Körper“ setzt auf Information statt Show-Effekte

Kassel. Es ist eine Ausstellung der anderen Art: Wer "Echte Körper" in der Nordstadt besucht, wird echte Leichen, Körperteile und Organe sehen.

Helmut Baum aus Calden wirft in der mobilen Halle der Wanderausstellung „Echte Körper“ einen Blick auf die dürren Beine der aufrechten, plastinierten Leiche mit der seltsam eingeschrumpften Haut, die einmal ein Mensch war, der augenscheinlich zuletzt heftige Knieprobleme hatte: Künstliche Gelenke schimmern zwischen offenliegenden Sehnen, Muskeln und vertrockneten Blutgefäßen. „Hoffentlich brauche ich so etwas noch lange nicht“, sagt der Caldener spontan. Zusammen mit Monika Haubitzer studiert er einen halben menschlichen Kopf mit geschlossenem Auge, der exakt in der Mitte durchgeschnitten wurde, sodass man jede einzelne Gehirnwindung sehen kann.

Rund 200 konservierte und präparierte Leichen, Leichenteile, Organe und Föten – sie stammen laut Veranstalter aus den USA und sind eines natürlichen Todes gestorben –können die Besucher zu beruhigender Hintergrundmusik in der mobilen Halle an der Holländischen Straße anschauen. Kaum einer zeigt Anzeichen von Grusel oder Ekel. „Da geht es im Sepulkralmuseum ja schauriger zu.

So sieht der Mensch eben aus, wenn er tot ist“, sagt Monika Haubitzer, die Baum auf seinem Streifzug durch die Ausstellung begleitet. Sie habe allerdings deutlich mehr Exponate erwartet, erklärt die Caldenerin. Angelika Engelhardt, Tochter Carina und Enkelin Nathalie (5) aus Wildeck betrachten den in einer Vitrine hingestreckten Körper einer Frau, deren erstarrte Gesichtszüge kaum noch als weiblich zu erkennen sind. Dafür sieht man jeden einzelnen Muskel, jede Sehne, die sämtlich auch mit ihren wissenschaftlichen Bezeichnungen erklärt sind. Über der Vitrine hängen Texttafeln, die über die Notwendigkeit von Organspenden informieren. „Das ist sehr interessant und für Schulklassen bestimmt sehr lehrreich.“, sagt Angelika Engelhardt, die von der Ausstellung in der HNA gelesen hat. Selbst Nathalie bleibt beim Anblick der toten Körper gefasst. „Nur manchmal ist es ein bisschen eklig“, gibt das Mädchen zu.

Dazu gehört sicher das Präparat einer von jahrelangem, übermäßigem Tabakgenuss verklebten, schwarzen Lunge, die der Besucher mit einem Blasebalg aufpusten kann.

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