„Er war ein lieber Kerl“: Trauer um den getöteten Obdachlosen

Betroffenheit im „Panama“: In der Tagesstätte für Wohnungslose haben die Sozialarbeiter Stefan Jünemann und Fewen Lang ein Foto des getöteten Peter J. aufgestellt und eine Kerze für ihn angezündet. Fotos: Rudolph

Kassel. Der Mann auf dem schwarz-weißen Foto sieht freundlich aus, fast ein wenig verschmitzt. Neben dem Bild stehen eine rote Rose und ein Teelicht.

Günter Blumenröther blickt entgeistert auf das Foto und schüttelt den Kopf. „Oh nein, oh nein“, sagt der 51-Jährige, der zu Gast im Panama ist. Er hat gerade erst erfahren, dass Peter J. gestorben ist. Dass er in der Nacht zu Montag im Alter von 53 Jahren in Kassel umgebracht wurde.

Die Besucher und die Mitarbeiter der Tagesaufenthaltsstätte für Wohnungslose an der Kölnischen Straße sind erschüttert. Peter J. war früher oft zu Gast im Panama. „Er war ein ganz lieber Kerl“, sagt Stefan Jünemann, der Leiter des Panama.

Vor zwei Jahren holte er Peter J., der sich trotz Kälte unter der Hafenbrücke eingerichtet hatte, in eine Notschlafstelle und half ihm, Sozialleistungen und Krankenversicherung zu beantragen. Im Frühjahr danach musste J., der gebürtig aus Polen stammte und seit mehreren Jahren wohnungslos war, dann in ein Krankenhaus, zwischenzeitlich ins Gefängnis und später in eine Therapieeinrichtung. „Da ist er dann offenbar stiften gegangen“, sagt der Sozialarbeiter.

Auch Rudi Lang, der im Panama mitarbeitet, kannte Peter J. gut. „Er hat immer gelächelt, auch wenn es ihm manchmal schlecht ging“, erinnert sich der 65-Jährige. Er könne noch gar nicht richtig fassen, was passiert sei, sagt Lang. „Wie kann man einem armen, hilflosen Menschen so etwas antun?“, fragt er. „Er hat doch keinem Menschen etwas zuleide getan.“ Er habe Peter J. in all den Jahren nie aggressiv oder bösartig erlebt, sagt Rudi Lang. „Man kann nur hoffen, dass sie die Drecksäcke kriegen, die das getan haben“, schimpft er.

Erst im vergangenen Frühjahr war eine Frau aus dem Obdachlosen-Milieu in Kassel, Monika S., getötet worden. Ihr Leichnam war im Mai an der Fulda gefunden worden. Bis heute gibt es in dem Fall keine heiße Spur. Einen Zusammenhang zwischen den beiden Tötungsdelikten sieht die Polizei nach derzeitigen Erkenntnissen nicht. Dennoch seine viele Besucher des Panama verunsichert, berichtet Stefan Jünemann.

Dass Peter J. zuletzt an der Elisabeth-Knipping-Schule übernachtete, wusste er nicht. Leider nicht, fügt der Sozialarbeiter hinzu. Sonst hätte man ihn dort aufgesucht und ihm wieder eine Notschlafstelle angeboten. Darin wäre der Obdachlose nicht nur vor Kälte und Regen, sondern auch vor Gewalt geschützt gewesen. Jünemann appelliert an Anwohner oder Passanten, sich beim Panama zu melden, wenn sie mitbekommen, wo ein Wohnungsloser schläft. „Dann können wir helfen.“ Man sei auch kurzfristig in der Lage, Notschlafstellen einzurichten. In Kassel leben Schätzungen zufolge etwa 200 Wohnungslose. Kontakt: Tagesaufenthaltsstätte Panama, Tel. 0561/707 38 30.

Hintergrund: Polizei bittet um Hinweise

Die Polizei ermittelt in dem Fall in alle Richtungen. Eine heiße Spur gibt es noch nicht. Die Ermittler sind auch auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Der 53-Jährige war am Montag um 8.30 Uhr auf dem Gelände der Elisabeth-Knipping-Schule an der Mombachstraße gefunden worden, wo er offensichtlich auch getötet wurde. Er starb laut Polizei an „Gewalteinwirkung von außen“.

Peter J. war 1,67 Meter groß und sah älter aus als 53 Jahre. Er war hager, hatte rötlichbraune Haare und einen lichten Vollbart. Zuletzt trug er eine graue Sweatshirt-Jacke, darunter eine olivfarbene Sweatshirtjacke mit der Aufschrift „LS 06“ auf der Brust, eine blaue Jeans und graue Sportschuhe der Marke „Walxx“ mit grünen Streifen an den Seiten.

Hinweise: Tel. 0561/91 00

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