Neuauflage mit 6000 Besuchern war voller Erfolg

So macht Multikulti Spaß: Festival Mind the Gap ist wieder da

Und alle springen hoch: Mit seiner kolumbianischen Mestizo-Rock-Band Doctor Krápula brachte Frontmann Mario Muñoz (rechts) die Menge zum Tanzen. Fotos: Fischer/L ohr

Kassel. Drei Sommer lang mussten Musik-Fans auf das Umsonst-und-draußen-Festival das Kasseler Schlachthofs verzichten. Die Neuauflage von Mind the Gap war mit 6000 Besuchern ein voller Erfolg.

Selbst wenn MC Rene am Samstagabend im Nordstadtpark vergiftet worden wäre, hätte er Kassel in guter Erinnerung behalten. So musste man den Kölner Rapper jedenfalls verstehen, nachdem er beim Umsonst-und-draußen-Festival Mind the Gap des Schlachthofs von einer Flasche Hochprozentigem probiert hatte, die er von einem Zuschauer gereicht bekam. „Hoffentlich sterbe ich jetzt nicht. Egal, dann war es wenigstens ein geiles letztes Konzert“, sagte der 39-Jährige.

Vergiftet wurde an den beiden Tagen niemand der insgesamt 6000 Besucher. Dafür erlebten sie ziemlich geile Konzerte - nicht nur von MC Rene, der als einer der einflussreichsten deutschen Rapper gilt, vor 15 Jahren eine Zeit lang in Kassel gelebt hatte und nun staunte: „Ich hatte die Stadt gar nicht so schön in Erinnerung.“

Womöglich hatten auch einige Kasseler das Mind-the-Gap-Festival nicht mehr so schön in Erinnerung. Drei Jahre in Folge war das Spektakel aus organisatorischen Gründen ausgefallen.

Zumindest am Samstagabend schien es so, als sei es nie weggewesen. Schon der Titel („Vorsicht, Spalte“) macht deutlich, dass das Festival die zerklüftete Gesellschaft zusammenbringen will. Tatsächlich sprangen beim Auftritt des Headliners Doctor Krápula Indierock-Fans, HipHopper, Familien, Migranten und (ja, wirklich) Senioren in den Abendhimmel. So geht Multikulti.

Das kolumbianische Quintett füllt in seiner Heimat große Arenen und versprühte in Kassel mit seinem Mix aus Mestizo-Rock, Ska und eingängigen Mitgröhl-Melodien so viel Kraft, dass man damit die ganze Stadt ein ganzes Jahr mit Energie hätte versorgen können. Ihr aktuelles Album „Ama-Zonas“, das die Südamerikaner mit Stars wie Manu Chao aufgenommen haben, ist dem Regenwald gewidmet. „Vergesst Krombacher“, sagte Moderator David Zabel, „den Regenwald zu retten, hat noch nie so viel Spaß gemacht.“

Bereits am Freitag hatte die deutsche Band Love A mit politischem Indierock das Festival eröffnet. Am Samstagnachmittag verging den Besuchern allerdings erst einmal der Spaß. Bei Temperaturen von 33 Grad im Schatten und weit mehr vor der Bühne in der Sonne kam nur eine Handvoll Fans. Die Kasseler Band „Wir bringen kalten Kaffee mit“ machte das Beste daraus und erfrischte das Publikum mit Wasserpistolen.

„Fünf Grad weniger wären für uns besser gewesen“, sagte Marcel Klier vom Schlachthof. Leiterin Christine Knüppel zog trotzdem ein positives Fazit: „Nach drei Jahren Pause war das Festival ein guter Auftakt, um Mind the Gap wieder zur Tradition werden zu lassen.“ Umsonst, draußen und wunderschön - das hat Kassel drei Jahre lang gefehlt und soll es auch 2017 wieder geben.

Mind the Gap-Festival in Kassel

++ Festival-Splitter ++

Lautstärke: Weil sich Anwohner bei der bislang letzten Auflage vor vier Jahren über den Lärm beschwert hatten, achteten die Organisatoren diesmal noch stärker darauf, die Dezibelwerte einzuhalten. Mit Erfolg. Laut Schlachthof-Chefin Christine Knüppel stellte das Ordnungsamt keine Überschreitungen fest. Auch bei der Polizei gingen keine Beschwerden ein. Das lag auch am neuen Standort der Bühne, die nach Westen ausgerichtet war.

Überraschungsgast aus Kassel: MC Rene begeisterte nicht nur mit einem Freestyle-Rap über Kassel, sondern auch mit einem Überraschungsgast. Der Kölner holte den Kasseler Koch Özcan Demso alias Costa the Beatbox auf die Bühne. Mit dem 38-Jährigen hatte er einst ein Album aufgenommen. Nun erzeugte Costa allein mit dem Mikro Geräusche, für die andere einen Plattenspieler sowie eine fette Anlage brauchen. Und er imitierte Star-Rapper wie Busta Rhymes. Dafür gab es reichlich Applaus.

Großes auf der kleinen Bühne: Viel Beifall erhielten auch die Kasseler Acts, die auf der kleinen Bühne neben dem Schlachthof auftraten. Mykket Morton sorgten für eine wunderbar gechillte Folk-Atmosphäre. Zuvor hatten Alexandra Supertramp ihr erstes Konzert von zwei an diesem Abend gespielt. Die Gruppe um Sängerin Verena Bandulewitz trat wenig später auch beim Hoffest in Kaufungen auf.

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