Brand brach im Flur aus

Nach Feuer in der Nordstadt: Vorwürfe gegen Vermieter

Kassel. Die Vorwürfe wiegen schwer. „Dieser Brand hätte vermieden werden können, wenn die Haustür abgeschlossen gewesen wäre“, sagt der 29-jährige Patrick Heinemann.

Zusammen mit seiner Frau Jacqueline (22) und seiner vier Monate alten Tochter Nora Sophie lebt er in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses an der Karolinenstraße (Nordstadt). Am Donnerstagmittag gegen 12.20 Uhr brach im Hausflur ein Feuer aus.

Wie die Ermittler des Kriminaldauerdienstes der Kripo berichten, war das Feuer im Flur des Erdgeschosses im Bereich eines dort abgestellten Mopeds sowie eines danebenstehenden Sofas ausgebrochen. Nach Angaben von Polizeisprecher Matthias Mänz ist eine vorsätzliche Brandstiftung nicht auszuschließen. Der Schaden wird mit 25 000 Euro beziffert.

Über die Drehleiter gerettet: Ein Feuerwehrmann holte Jacqueline Heinemann und ihre Tochter Nora Sophie am Donnerstagmittag aus der Wohnung im zweiten Obergeschoss. Foto:  Reimuth

Mieter Heinemann ist sich sicher, dass jemand einfach in den Flur gegangen ist und die Gegenstände angezündet hat. Schließlich habe es in jüngster Zeit zahlreiche Brandstiftungen in Kassel gegeben, auch in der Nordstadt. Er habe sich in den vergangenen Monaten mehrfach bei seinem Vermieter darüber beschwert, dass die Hauseingangstür nicht zu verschließen sei, sagt Heinemann. Dadurch hätten oft „zwielichtige Leute“ in dem Hausflur übernachtet und dort auch ihre Fäkalien hinterlassen. „Ich habe ihn explizit auf die Sicherheitsmängel hingewiesen.“ Aber der Vermieter habe darauf überhaupt nicht reagiert, sagt der 29-Jährige.

Eigentümer schweigt

Am Freitagvormittag habe er ihn schließlich nach mehrfachen Versuchen am Telefon gehabt und mit seinen Vorwürfen konfrontiert. Der Vermieter habe nur zu ihm gesagt: „Warum ziehen Sie denn in so ein Haus?“ Gegenüber der HNA wollte sich der Hauseigentümer zu den Vorwürfen nicht äußern.

Brand in der Karolinenstraße in der Nordstadt

In dem Haus würden zahlreiche Bezieher von Hartz IV leben, sagt Heinemann, der selbst seit geraumer Zeit arbeitslos ist. Er sei mit seiner hochschwangeren Frau im Herbst vergangenen Jahres aus einer Notsituation heraus in die Wohnung im zweiten Obergeschoss gezogen. Als er seinen Vermieter jetzt um Hilfe gebeten habe, da er und seine Familie vorerst nicht in die völlig verrauchte Wohnung zurückkehren könnten, habe er einen Korb bekommen. Den anderen Bewohnern habe der Vermieter mitgeteilt, sie müssten in ihren Wohnungen bleiben, da er für kein Hotel beziehungsweise für keine Übergangswohnung aufkomme. „Eigentlich müsste das seine Haus- und Brandschutzversicherung übernehmen“, sagt Heinemann.

Er und seine Familie hatten Glück. Die Stadt Kassel hat ihnen vorerst eine kleine Notunterkunft zur Verfügung gestellt. Und das Allerwichtigste sei, dass es der kleinen Nora Sophie wieder gut gehe.

Da das gesamte Treppenhaus am Donnerstagmittag durch den dichten Rauch nicht mehr begehbar gewesen war, hatte die Berufsfeuerwehr Kassel mehrere Bewohner über die Drehleiter aus ihren Wohnungen retten müssen. Darunter auch Familie Heinemann.

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