Mindestens sieben Jahre eine Gemeinschaftsunterkunft

Neubauten in der Nordstadt: Platz für bis zu 180 Flüchtlinge

Kleine Wohnanlage am Rande der Stadt: Die Rohbauten der GWG an der Bunsenstraße sind fertig, jetzt beginnt der Innenausbau. Ab Ende August sollen die Neubauten für sieben Jahre als Flüchtlingsunterkunft dienen. Später können sie als normale Mietshäuser genutzt werden. Foto: Schachtschneider

Nord-Holland. Die Rohbauten sind fertig, jetzt läuft der Innenausbau auf Hochtouren: In einem Monat soll das neue Flüchtlingswohnheim an der Bunsenstraße bezugsfertig sein.

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG hat in rekordverdächtiger Zeit - Ende Januar war Baubeginn - eine kleine Wohnanlage auf dem Grundstück am Rande der Nordstadt errichtet. Dazu gehören zwei größere, u-förmige Komplexe, in denen ausschließlich Apartments entstehen, sowie ein riegelartiges Gebäude, in dem auch Büros, Schulungsräume für Sprachkurse und ein Waschsalon eingerichtet werden. Die Unterkunft bietet Platz für bis zu 180 Menschen.

Die GWG tritt erstmals als Bauherr und auch Betreiber eines Flüchtlingsheim auf. Sie investiert sieben Millionen Euro in das Projekt. In den Kosten sind die komplette Einrichtung und Ausstattung des Wohnheims inbegriffen. „Bis zur Bettwäsche und den Kaffeetassen“, sagt GWG-Geschäftsführer Peter Ley.

Trotz der anfänglichen Probleme auf der Baustelle werden die Kosten laut Ley eingehalten, vermutlich sogar um 30 000 Euro unterschritten. Wie berichtet, waren im Februar Reste einer Weltkriegsbombe auf dem Grundstück gefunden worden. Die gesamte obere Erdschicht, insgesamt 8000 Tonnen, musste abgetragen werden, weil sie so viele Altmetalle enthielt, dass eine zuverlässige Kampfmittelsondierung nicht möglich war. Das führte zu einer Bauverzögerung von sechs Wochen.

Da sich die Flüchtlingssituation inzwischen entspannt hat, muss die Unterkunft aber ohnehin nicht sofort voll belegt werden. Sie soll nach und nach in Betrieb gehen. In der Anlage werden 36 Apartments eingerichtet, die für jeweils zwei bis acht Personen ausgelegt sind (26 bis 76 Quadrameter). Jede Einheit hat eine eigene Küche und ein Bad. Drei Wohnungen sind behindertengerecht gebaut. „Es wird eine entspannte Raumsituation sein“, sagt GWG-Chef Ley. Zur Sozialbetreuung sind zwei Mitarbeiter des Vereins Piano und ein Hausmeister vorgesehen.

Im Herbst, wenn die Flüchtlinge eingezogen sind, wolle man je nach den Bedürfnissen der Bewohner die Außenanlagen gestalten. Wenn Kinder da sind, wird ein Spielplatz angelegt. Aber auch ein Nutzgarten sei denkbar, so Ley.

Für mindestens sieben Jahre soll die Anlage als Gemeinschaftsunterkunft genutzt werden. Die Besonderheit: Die Häuser sind so konzipiert, dass sie später ohne großen Aufwand zu normalen Mietwohnungen umgebaut werden können. In den Leichtbauwänden, die jetzt die einzelnen Apartments trennen, sind spätere Türöffnungen schon vorgesehen.

Mehrere kleine Einheiten können darüber zu größeren Wohnungen verbunden werden. Die Eingangstüren, die von den Laubengängen im Innenhof der u-förmigen Gebäude abgehen, können dann zu bodentiefen Fenstern umfunktioniert werden.

Das Projekt an der Bunsenstraße findet Beachtung weit über die Stadt hinaus: Als „Kasseler Modell“ wird es derzeit auf der Architekturbiennale in Venedig gezeigt. Im deutschen Pavillon geht es um Deutschland als Einwanderungsland und die Unterbringung und Integration von Migranten. In einer Online-Datenbank mit konkreten Projekten zur Flüchtlingsunterbringung wird auch das Kasseler Beispiel vorgestellt. Zudem wird das Projekt im Landeswettbewerb „Zusammen gebaut“ der Initiative Baukultur in Hessen ausgezeichnet.

Die Idee für der „Kasseler Modell“ haben Stadt, GWG und eine Arbeitsgemeinschaft von fünf Kasseler Architekturbüros zusammen entwickelt. Ziel war, schnell und kostengünstig Wohnraum zu schaffen, der zunächst für die Unterbringung von Flüchtlingen dient und später regulär vermietet werden kann. Auch an der Eichwaldstraße in Bettenhausen setzt die GWG dieses Konzept um. Dort sollen die Arbeiten im Oktober beginnen.

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