Athener Kiosk auch in Kassel

Projekt will documenta-Standorte Kassel und Athen verbinden

Pläne für das Projekt Periptero: Teilnehmer der Exkursion nach Athen präsentierten im Goethe-Institut ihre Idee eines multifunktional verwendbaren Kioskes in beiden documenta-Standorten, wie er in der griechischen Hauptstadt in jedem Stadtviertel steht. Fotos: nh

Kassel. 2017 findet die documenta an zwei Orten statt – in Kassel und Athen. Das ist der Ausgangspunkt eines Projekts der Moving School, das die beiden Standorte verbinden soll.

Es richtet sich an Studierende aller Fachbereiche, Nationen und Kulturen, die „ihr Denken gegen den Strich bürsten wollen“, wie es auf der Webseite heißt.

Die Idee, das documenta-Motto „Von Athen lernen“ aufzugreifen, wurde in einem Seminar-Workshop geboren: „Periptero“ heißen die Kioske, die in Athen nicht nur Waren anbieten, sondern als Treffpunkte und Info-Börsen eine soziale Institution in jedem Viertel sind. „Periptero“ heißt nun auch das Projekt. Untertitel: Perspektivwechsel für Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Studierenden möchten einen Verkaufsstand jeweils in Kassel und Athen als Begegnungs-, Ausstellungs- und Informationsstätte nutzen. Die traditionelle Form soll variabel verwendet und auch baulich verwandelt werden, um für Vorträge, Performances, Musik oder als Galerie zu dienen. „Periptero“ soll Neugier wecken auf kulturelle Verständigung jenseits von Klischees.

Bereits im Februar sind einige Studierende nach Athen gereist, haben Kontakte mit dem documenta-Büro vor Ort, dem Goethe-Institut, Hochschulen für Kunst und Design geknüpft und auch ein Flüchtlingscamp besichtigt.

Freundlicher Empfang

Ludwig Möller

Mit im Gepäck hatten sie das Modell eines Periptero, das Sophie Stein (Studentin des Produktdesigns an der Kunsthochschule) gebaut hat. „Das lief unglaublich gut“, berichtet Moving-School-Initiator Dr. Ludwig Möller über den dicht getakteten Athen-Aufenthalt, „wir sind sehr freundlich, offen und warmherzig empfangen worden.“ Mitgereist war eine Griechin, Wirtschaftspädagogik-Studentin Giota Papadopoulos. Der 20-Jährigen machte es Freude, ihren Kommilitonen ihre Heimat nahezubringen.

In den nächsten Semestern soll „Periptero“ mit Leben gefüllt und praktisch umgesetzt werden. Weitere Teilnehmer mit Ideen, Gründergeist und „Querdenkertum“ werden noch gesucht, um die Kioske mit Programm zu bespielen. Moving-School-Projekte hätten kein festes Korsett, sie seien mehr, „als einen Lehrplan abzuhaken“, sagt Möller.

Dieses Wochenende gab es ein Treffen an der Hochschule für bildende Künste in Braunschweig, aus der ebenfalls Studenten ins Boot geholt werden.

Eine weitere Exkursion nach Athen ist für den 27. Juni bis 3. Juli geplant.

Nächstes Treffen: 4./5. Juni. Kontakt per E-Mail an: ludwig.moeller@uni-kassel.de

Das sagen die Studierenden

Hannah Lansburgh, Kunststudentin aus dem US-Bundesstaat Vermont, findet vor allem das „Periptero“-Team, das Ludwig Möller zusammengestellt hat, sympathisch und „einfach unglaublich“: „Ich möchte auch so frei denken können.“ In Athen haben sie vor allem die Menschen beeindruckt: ihre Herzlichkeit, die Begeisterung für die Kasseler Ideen. Als Kunststudentin fand sie es spannend, die Werkstätten der Athener Hochschule und die viel klassischere Ausbildung kennenzulernen. Die 29-Jährige findet reizvoll, den Prozess zu erleben, wie Studenten mit unterschiedlichen Fächern und Perspektiven gemeinsam Ideen entwickeln und Neues entdecken.

Den Athener Alltag in der Wirtschaftskrise zu erleben, die Gastfreundschaft, den Besuch der Flüchtlinge, sich mit den Ideen der documenta 14 vertraut zu machen – all das hat Hamid Aaqil Shah beeindruckt. Der 35-Jährige aus Afghanistan, der vor Jahren nach Pakistan geflohen ist, studiert seit Ende 2013 im Masterprogramm Global Political Economy in Kassel. Ihn lockt der kulturelle Austausch bei „Periptero“ – er will unbedingt weiter dabeibleiben.

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