Mehrere Großprojekte stehen vor dem Start

Hallen bei Rheinmetall sind voll - Panzerbauer will neue Stellen schaffen

Der Radpanzer Boxer: Er wird in Kassel gebaut und instand gesetzt. Das Fahrzeug ist eines der wichtigsten für die Beschäftigung.

Kassel. Die Halle steht voll: links Boxer an Boxer, rechts die unterschiedlichen Aufbauten des Radpanzers. Im Taktverfahren werden Fahrzeuge und Module instand gesetzt.

Sie sind bei der Bundeswehr im Einsatz - viele davon in Afghanistan und bei anderen Auslandsoperationen. Auch die anderen Hallen des Heerestechnik-Herstellers Rheinmetall in Kassel-Rothenditmold sind belegt. In der einen stehen Panzertriebwerke. Die Spezialisten aus Kassel bauen die bis zu 1500 PS starken Schwergewichte im Wert eines hochwertigen Eigenheims komplett auseinander und wieder zusammen. Hinterher sind die Aggregate wie neu.

In den anderen Hallen bauen die Rheinmetaller Fahrzeugkomponenten für den neuen Schützenpanzer Puma, der in Unterlüß in der Südheide montiert wird, sowie für gepanzerte Kabinen von MAN-Lkw, die in Wien vom Band laufen. Die MAN-Militärsparte gehört zu 51 Prozent dem Düsseldorfer Mischkonzern Rheinmetall, der das operative Geschäft führt.

Mit dem Lkw-Bauer verfügt der Heerestechnik-Spezialist wie kein zweiter in Europa über die gesamte Palette logistischer und taktischer Fahrzeuge: von den kompakten und gepanzerten AMPV und Survivor über die Radpanzer Fuchs und Boxer, den Schützenpanzer Puma und geländegängige Lkw bis hin zum schweren Kampfpanzer Leopard und die Panzerhaubitze 2000, die Rheinmetall wie alle anderen militärischen Großaufträge gemeinsam mit Krauss-Maffei Wegmann (KMW) abwickelt.

„Die Auslastung ist gut, auch auf mittelfristige Sicht“, sagt Werkleiter Dirk Hentschel und kündigt die Schaffung neuer Stellen noch in diesem Jahr an. „Es tut sich momentan viel in Europa“, ergänzt Vertriebsleiter Thomas Körner mit Blick auf die schwelende Ukraine-Krise und die Angst vor einer wachsenden Bedrohung aus dem Osten.

So will Litauen zunächst 88 Boxer bestellen und später weitere 92. Auf Rheinmetall Kassel entfällt etwa ein Drittel des Auftragsvolumens. Bei den bereits georderten 131 Boxern für die Bundeswehr ist der Kasseler Anteil etwas geringer. Beide Großaufträge sollen 2017 anlaufen. Die Polen haben unlängst die Modernisierung von 122 Leopard-2-Panzern beschlossen. Auch davon dürfte Kassel profitieren.

Unabhängig davon rüsten die Militärtechnikprofis im Werk Mittelfeld derzeit 100 Füchse der Bundeswehr auf, setzen den betagten Schützenpanzer Marder und die Panzerhaubitze 2000 instand, bauen ABC-Spürfüchse für Kuwait und liefern eine Reihe von Komponenten sowohl an Schwesterwerke als auch an den Projektpartner KMW.

Außerdem werden in Kassel Komponenten für den Fuchs 2 produziert, die in einem Rheinmetall-Werk in Algerien montiert werden. Alle Teile für die insgesamt 926 Fahrzeuge wurden und werden hier in einer eigenen Logistikhalle kommissioniert, verpackt und zeitgenau auf die Reise nach Nordafrika geschickt. Die Vorserie von 52 Exemplaren hatten algerische Arbeitskräfte gemeinsam mit deutschen Kollegen in Kassel gebaut. 200 von ihnen wurden hier ausgebildet.

Hintergrund: Militärtechnik und Autozulieferung

Das Rheinmetall-Werk in Kassel ist mit seinen 850 Beschäftigten das konzernweite Kompetenzzentrum für Radpanzer sowie Komponenten-Entwickler und Lieferant für den Bereich Kette.

Rheinmetall (Düsseldorf) gliedert sich in zwei Sparten: Rüstungs- und Verteidigungstechnik sowie Autozulieferung. Die beiden Bereiche sind nach Umsatz und Mitarbeiter in etwa gleich groß. 2015 setzte das im MDax der mittelgroßen Werte notierte Unternehmen mit fast 5,2 Milliarden Euro elf Prozent mehr um als im Vorjahr. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg sogar um 181 Prozent auf 287 Millionen Euro. Besonders erfreulich: Die Militärtechnik ist mit einem Ebit von 90 Mio. Euro in die Gewinnzone zurückgekehrt. Im Vorjahr schlug hier noch ein Minus von 67 Mio. Euro zu Buche.

Die Rüstungssparte teilt sich in die drei Divisionen taktische und logistische, also Kampf- und Transportfahrzeuge, Waffe und Munition sowie Elektronik und Luftfahrt auf.

Der Standort Kassel gehört zur ersten Gruppe. Weitere Werke im Inland befinden sich in Kiel, Flensburg und Unterlüß in der Südheide bei Celle.

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