Auftragsbücher gut gefüllt

Rheinmetall für Zukunft gerüstet: 2017 zwei Großaufträge in Kassel

Verkaufsschlager aus Kassel: Der Transportpanzer Boxer. Die Bundeswehr hat 272 Fahrzeuge dieses Typs im Einsatz, viele davon bei Friedensmissionen. Bei den niederländischen Streitkräften sind es 200. Archivfoto: nh

Der Düsseldofer Rheinmetall-Konzern, der in Kassel zwei Werke mit 850 Beschäftigten betreibt, macht sich berechtigte Hoffnungen auf Milliardenaufträge aus dem Ausland.

Der Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern will den Umsatz in seiner Rüstungssparte in den nächsten Jahren um etwa 20 Prozent auf mehr als drei Milliarden Euro steigern. Das erklärte der Vorstandschef des Heerestechnik-Herstellers und Autozulieferers, Armin Papperger, im Gespräch mit der HNA. „Wir sind das am stärksten wachsende Rüstungsunternehmen in Europa“, sagte er am neuen Unternehmenssitz in Düsseldorf. Im vergangenen Jahr setzte der Konzern mit 23 000 Mitarbeitern 5,3 Milliarden Euro um, davon die Hälfte in der Militärsparte.

Zum künftigen Wachstum wird vor allem auch der Standort Kassel beitragen, an dem Rheinmetall zwei Werke mit 850 Beschäftigten betreibt. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Ab 2017 bauen die Kasseler Rüstungsspezialisten gemeinsam mit Projektpartner Krauss-Maffei Wegmann (KMW) 131 Transportpanzer des Typs Boxer für die Bundeswehr und 88 weitere für den Natopartner Litauen. Die modernen und stark geschützten, achträdrigen Fahrzeuge sind dank ihrer einzigartigen modularen Bauweise universell einsetzbar und gelten weltweit als Beste ihrer Klasse.

Außerdem stehen unter anderem die Modernisierung von 122 polnischen Kampfpanzern des Typs Leopard 2 sowie etliche Instandhaltungs- und Zulieferaufträge sowie die Aufrüstung von 100 Fuchs-Radpanzers der Bundeswehr in den Büchern des konzernweiten Kompetenzzentrums für Radfahrzeuge.

Einen zusätzlichen Beschäftigungs- und Umsatzschub könnten in absehbarer Zukunft Riesenaufträge aus Australien und Großbritannien bringen. Denn beide Länder wollen neue Panzer in großer Zahl ordern, und in beiden Fällen ist der Boxer in der ganz engen Wahl. Die Briten wollen 800 Fahrzeuge anschaffen, die Australier noch mehr- beide Beschaffungsvorhaben sind milliardenschwer. Zwar müsste Rheinmetall im Falle des Zuschlags vor Ort produzieren, aber die Kasseler würden über Jahre von Ingenieurs-, Schulungs- und Service-Dienstleistungen und wahrscheinlich auch von der Komponentenfertigung profitieren.

Als Grund für den Erfolg von Rheinmetall nennt Papperger unter anderem die in den vergangenen Jahren stark voran getrieben Internationalisierung sowie die Kooperationsstrategie des Konzerns, die darauf abzielt, große Projekte mit Partnern vor Ort umzusetzen. Gleichwohl schließt der Vorstandschef Zukäufe nicht aus, „wenn es passt und sich das Geschäft für uns lohnt“.

Wachstum soll künftig auch das wachsende Geschäftsfeld Sicherheit bringen. Dahinter verbergen sich angesichts der zunehmenden terroristischen Bedrohung gepanzerte Fahrzeuge etwa für die Polizei, Flughafenschutz- und Drohnenabwehrsysteme, die Panzerung von Hubschraubern, hochschützende Sicherheitskleidung für Militär und Polizei sowie elektronische Sicherheitssysteme.

Hintergrund: Autosparte und Rüstung rücken zusammen

Erhebliche Kosteneinsparungen will der Konzern künftig mit der starken Vernetzung der beiden bislang getrennt agierenden Sparten Automotive und Rüstung erzielen. Im Zuge eines tief greifenden Konzernumbaus sollen die Bereiche eng miteinander vernetzt werden. So sollen der Einkauf gebündelt, Forschung und Entwicklung zusammengeführt und der Austausch von Personal intensiviert werden. Rheinmetall will nicht länger nur als Rüstungsproduzent, sondern als führender Technologiekonzern in den Bereichen Mobilität und Sicherheit wahrgenommen werden.

„Wir stehen zur Rüstungssparte, aber wir sind weit mehr“, sagte Papperger. Das solle künftig stärker herausgestellt werden.

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