Fast täglich Einsätze von Polizei und Rettungswagen

Schmuddelhaus am Hopla: Müll, Drogen und Kriminalität

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Direkt an der Kreuzung: In dem Mietshaus am Holländischen Platz gibt es 302 Apartments. Die Grünflächen rund um das Gebäude sind vermüllt, abends halten sich oft viele Leute auf dem Vorplatz auf.

Kassel. Das große Mietshaus direkt am Holländischen Platz kennt fast jeder vom Vorbeifahren. Gegenüber wälzen sich Tag für Tag die Studentenmassen in die Uni.

Die andere Seite der Kreuzung, wo der Wohnkomplex an der Ecke zur Wolfhager Straße liegt, meiden die meisten. „Das ist wie ein Paralleluniversum“, sagt ein 32-jähriger Uni-Mitarbeiter. Er beobachtet fast täglich Einsätze von Polizei und Rettungswagen im Eckhaus gegenüber.

„Ich bin kein Angsthase, aber da gehe ich nicht mehr lang“, sagt der 32-Jährige. Man werde angeschnorrt, angepöbelt oder bekomme Drogen zum Verkauf angeboten. Er habe den Eindruck, dass sich niemand um die Situation kümmere.

Der Komplex Holländische Straße 17/Wolfhager Straße 2 umfasst 302 Ein-Zimmer-Apartments, die verschiedenen Eigentümern gehören. Die Immobilie wird von einer Hausverwaltung in Vellmar betreut. Es gebe keine Probleme mit dem Haus, sagt die Verwalterin gegenüber der HNA. Auf Nachfrage bestätigt sie jedoch, dass ein Sicherheitsdienst von der Eigentümergemeinschaft eingesetzt werde.

Aufenthalt verboten: Mit den Schildern versucht die Hausverwaltung gegen Menschenansammlungen vor dem Haus vorzugehen.

Er soll dem unkontrollierten Treiben in dem und um das Haus offenbar Einhalt gebieten. Ein Kfz-Mechaniker, der seit drei Jahren in dem Gebäudeteil an der Holländischen Straße wohnt, berichtet, dass im Hausflur Alkohol und Drogen konsumiert würden. Er sei froh, wenn er unbehelligt in seine Wohnung komme. Abends gehe er nur noch durch den Hintereingang raus, um nicht auf die Klientel vor dem Haus zu treffen, sagt der 25-Jährige. Dort tummelten sich Trinker und Drogensüchtige - und dazwischen spielten mitunter kleine Kinder.

Schilder an den Hauseingängen weisen darauf hin, dass sich dort keine Gruppen aufhalten sollen. Doch bei gutem Wetter ist der Platz vor dem Haus oft voll. Der Grünstreifen ist übersät mit Flaschen, Verpackungsmüll und anderen Abfällen. „Hier gibt es viele Bulgaren, von denen schmeißen manche ihren Müll auch einfach vom Balkon“, sagt der 25-jährige Bewohner, der selbst kosovarische Wurzeln hat.

Im Hausflur, in dem ein leichter Geruch von Urin hängt, kreuzt sich sein Weg mit dem von Heike Bartsch. Die Harleshäuserin hat einen Putzeimer in der Hand. Sie hilft ihrem Sohn, vor dem Einzug die neue Wohnung einmal durchzuputzen. Er fängt im Oktober an zu studieren. „Er wollte mittenrein“, sagt die Mutter.

Es sei schon ein anderes Pflaster als in Harleshausen, sagt Bartsch. „Mein Sohn meinte schon, er fühlt sich wie im Urlaub bei so vielen Kulturen.“ An der von privat vermieteten Wohnung gebe es nichts zu meckern: gepflegt und nur ein Katzensprung zur Uni und günstige 400 Euro warm für rund 40 Quadratmeter. Die Vormieter hätten gesagt, im Haus sei es zwar sehr anonym, aber in Ordnung.

DAS SAGT DIE POLIZEI

Die Polizei habe in dem und am Gebäudekomplex an der Wolfhager Straße/Ecke Holländische Straße vermehrt Einsätze, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. „Es ist eine auffällige Örtlichkeit, was Kriminalität und Konflikte angeht.“ Zahlen nannte er nicht. Häufig gehe es um gewaltsame Auseinandersetzungen, um Drogendelikte oder um hilflose Personen nach starken Alkoholkonsum.

Auch wenn man wegen eskalierter Streitigkeiten gerufen werde, seien häufig Alkohol oder Drogen im Spiel. Die Straftaten passierten sowohl im Haus als auch vor der Haustür, insbesondere an der Wolfhager Straße. Eine Gefahr für Passanten bestehe aber nicht, sagt Werner. Unbeteiligte hätten nichts zu befürchten. „Es ist nicht so, dass man dort in Angst und Schrecken leben muss.“ Die Beamten des Reviers Mitte seien sensibilisiert und kontrollierten entsprechend häufig in dem Bereich.

Auch dem städtischen Ordnungsamt sei bekannt, dass es im Bereich des Wohnkomplexes in jüngster Zeit vermehrt zu Polizeieinsätzen gekommen sei, heißt es aus dem Rathaus. Die Ordnungspolizeibeamten seien im Zuge ihrer regulären Streifen auch am Holländischen Platz unterwegs.

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