Studierende und Mitarbeiter des Cafés kritisieren Uni-Leitung

Wegen Umbauarbeiten auf dem Campus: Sorgen um Uni-Biergarten

Keine Grünfläche mehr zu erkennen: Der Lucius-Burckhardt-Platz am Dienstagnachmittag. Die gefällten Bäume und die ausgerissenen Hecken sorgen für Diskussionen unter Studenten und Anwohnern. Foto: Arslan

Kassel. Die Bäume sind gefällt, die Hecken herausgerissen. Dass sich hier für viele Studierende der einzige Rückzugsort im Grünen befand, ist jetzt nicht mehr nachzuvollziehen.

Bänke stehen durcheinander und das Schild mit der Aufschrift Lucius-Burckhardt- Platz lässt nur noch den Anfangsbuchstaben erkennen.

Die Mitarbeiter des Cafés Desasta standen am Dienstag vor vollendeten Tatsachen. Schnell verbreitete sich das Bild des Platzes über soziale Medien wie Facebook und stieß auf große Resonanz.

Der Asta äußerte sich ebenfalls auf seiner Facebook-Seite, nannte das Vorgehen „blinde Zerstörung“. Die Uni sei Lebensraum und keine Lernfabrik. Vor dem angrenzenden Café Desasta, dessen Biergarten auf dem Platz steht, versammelten sich in kurzer Zeit viele Menschen, sowohl Studierende als auch Anwohner.

Der Platz dient beiden Gruppen dazu, sich regelmäßig zu treffen und das Angebot des Cafés zu nutzen. „Entlarvend“, nennt Walter Jäkel, einer der Umstehenden, die Baumaßnahme der Universität. „Die Uni wollte Fakten schaffen.“

Der Streit um den Erhalt des Platzes setzt aber viel früher an. Seit Beginn der Baumaßnahmen engagierten sich viele dafür, dass der Biergarten und die damit verbundene Grünfläche erhalten bleiben. Rund um das Vorhaben gründete sich bereits 2011 die Initiative „Lucius-Burckhardt-Platz bleibt“.

Bild aus dem Jahr 2010: So sah der Platz, der jetzt für viel Wirbel sorgt, einmal aus. Foto: Archiv

Vor zwei Tagen hätten die Studierenden Zettel an Fahrradständern gefunden, die dazu aufforderten, keine Fahrräder mehr abzustellen. Es seien Baumaßnahmen am Platz geplant. Bei einem Anruf beim zuständigen Baubeauftragten der Universität Kassel, Klaus Sausmikat, hätte es geheißen, dass es keine solchen Pläne gebe. Jäkel bezweifelt dies: Das gesamte Vorhaben hätte schnell erfolgen müssen, da sogar die Sitzbänke noch auf dem Platz gestanden hätten. „Selbst wenn Baumaßnahmen geplant waren, war uns zugesichert worden, dass der Asta vorher benachrichtigt wird“, erklärt eine Mitarbeiterin des Cafés. Am Dienstagnachmittag wurde dort eine Krisensitzung einberufen, viele Studierende kamen, um sich auszutauschen und das weitere Vorgehen zu besprechen. So auch Natalia Franz, Referentin für Hochschulpolitik und Vorsitzende des Asta. Sie beklagt sich über das Verhalten der Uni: „Ich war bei jedem Gespräch dabei und wir haben klargemacht, dass der Biergarten für die Studierenden nicht zur Diskussion steht“, äußert sie während der Diskussion.

Die Stimmung kocht hoch im Café, die Studierenden und Anwohner sind erschüttert. „Wir sind wütend und enttäuscht, dass das Präsidium seine Zusage zum Erhalt des Lucius-Burckhardt-Platzes gebrochen hat“, so Franz.

Das sagt die Universität

Es werde in den kommenden Wochen und Monaten zu Einschränkungen wegen der Gestaltung der Außenanlagen des Campus kommen, bestätigt Sebastian Mense, Pressesprecher der Universität Kassel. „Aber der Biergarten des Café Desasta bleibt“, sagt er. Eine Nutzung des Biergartens wird auch in der Übergangszeit möglich sein. Die Uni werde mit dem Asta darüber das Gespräch suchen.

Im Zuge der Baumaßnahmen wird auch der Teil des Campus-Center-Vorplatzes, auf dem der Biergarten steht, einen neuen Belag erhalten. Dafür sind dort am Dienstag Hecken entfernt worden sowie einige Bäume, die wenig Aussicht auf ein dauerhaftes Wachstum hatten, weil sie in einem Schotterbett standen. Es werden dort im Herbst neue Bäume gepflanzt.

Der Bereich, in dem sich noch vor einigen Jahren ein Parkplatz befand, soll laut Uni zu einem Ort mit Bäumen und Bänken werden, der zum Aufenthalt einlädt. Über die Umgestaltung des Platzes wurde der Asta wiederholt von der Uni informiert. Wenn der Austausch der Bäume durch Neuanpflanzungen dabei nicht deutlich genug geworden ist, bedauert die Uni dies.

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