Fund an Bunsenstraße für Fachleute keine Überraschung

Wo Wohnungen für Flüchtlinge entstehen sollen: Bombenreste in der Nordstadt gefunden

Spuren der Angriffe: So sah es in der Kasseler Nordstadt wenige Tage nach dem Bombenangriff vom 3. Oktober aus. Das Foto entstand an der Henschelstraße. Foto:  Stadtmuseum

Nordstadt. Eigentlich sollte die neue Flüchtlingsunterkunft an der Bunsenstraße schon im Juli fertig sein. Das verzögert sich, weil auf dem Grundstück Bombenreste gefunden wurden.

„Das wundert mich wirklich nicht“, sagt der Kasseler Luftkriegsexperte Werner Dettmar (88). Er ist nicht weit von der Baustelle am Holländischen Platz aufgewachsen und hat als Jugendlicher die Bombenangriffe hautnah miterlebt. Durch die Nähe zum Henschelwerk Mittelfeld sei die Bunsenstraße immer wieder in Mitleidenschaft gezogen worden. Hier gab es unter anderem ein Arbeitslager von Henschel, in dem zunächst Polen und später italienische Zwangsarbeiter untergebracht waren.

Erhebliche Schäden richtete der Großangriff vom 3. Oktober 1943 an. Damals verfehlten die Zielmarkierungen der britischen Luftwaffe das Kasseler Zentrum rund um die Martinskirche. Dafür wurden die östlichen und nördlichen Stadtteile sowie die angrenzenden Gemeinden umso schlimmer getroffen. 540 britische Bomber - 140 mehr als in der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 - waren an dem Angriff beteiligt.

Schwieriges Gelände: Auf dem Grundstück an der Bunsenstraße muss Bauschutt aus den 1930er Jahren entfernt werden. Das verzögert die Arbeiten um vier Wochen. Auf unserem Foto sind Christian Schreck (links) und Manuel Teixera zu sehen. Foto: Koch

Auf dem Gelände an der Bunsenstraße sollen drei größere Wohnhäuser mit insgesamt 36 Wohnungen entstehen. Die Kosten wurden mit sieben Millionen Euro veranschlagt. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG will dort zunächst Flüchtlinge unterbringen und die Wohnungen später an Familien mit geringem Einkommen oder an Studenten vermieten. Die Pläne für den preiswerteen Wohnraum stammen von einer Arbeitsgemerinschaft Kasseler Archtikturbüros. Mit dem Konzept setze man auf eine nachhaltige Nutzung, sagte Kassels Sozialdzernent und Kämmerer Christian Geselle (SPD) bei der Vorstellung der Pläne.

Mit möglichen Bombenfunden hat auch die GWG gerechnet. Es sei allerdings nicht möglich gewesen, das Grundstück vor dem Start der Bauarbeiten genauer zu untersuchen, sagt GWG-Chef Peter Ley. Auf dem Gelände seien ab 1939 viele Tonnen Bauschutt abgelagert worden, darunter auch viele Metallteile und sogar ganze Eisenbahnschienen.

Metalle im Boden

Mehr zum Thema Bombennacht finden Sie im Regiowiki.

Die Geräte zur Bombensuche reagieren auf die Metalle, egal ob Bombe oder nicht. Nach Angaben von Ley wird jetzt dieser Bauschutt unter Aufsicht von Fachleuten entfernt. Bislang sei lediglich der detonierte Rest einer Bombe gefunden worden. Ley rechnet damit, dass die Bauarbeiten im März fortgesetzt werden können.

„Ich hoffe, dass wir trotz der Verzögerung im August fertig sind“, sagt er. Zu den Kosten für den Abtransport des Bauschutts könne er noch nichts Genaues sagen. Es werde sich vermutlich um eine niedrige sechsstellige Summe handeln.

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