Historische Führung in den oberen Etagen des Campus

Die zwei Seiten von Henschel - über den Dächern der Universität

Geschichtsstunde mit Ausblick: Lennart König ist Mitarbeiter der Volkshochschule und gestaltet mit der Führung an der Universität zum ersten Mal einen Programmpunkt für den Blauen Sonntag. Foto: Dessauer

Kassel. Der Blaue Sonntag, die Tage der Industriekultur in Nordhessen, startete am Freitag mit einer historischen Führung in den oberen Etagen des Campus.

Heute lernen hier Studenten für ihre Prüfungen. Doch vor 80 Jahren war die Zentralbibliothek der Universität auf dem Campus in der Norstadt Montagehalle einer der größten Rüstungsbetriebe der Stadt.

Der Holländische Platz vor der Zerstörung im Krieg: Damals rollten hier die Henschel-Lokomotiven zum Bahnhof. Foto:  Archiv/nh

Im zweiten Weltkrieg fertigte die Firma Henschel unter anderem den Tiger-Panzer und jede Menge andere Waffen. Dies sei die dunkle Seite der Henschel-Geschichte, erzählt Lennart König während der Führung über den Dächern der Universität. Der 67-jährige Mitarbeiter der Volkshochschule gab während des zweistündigen Rundgangs Einblicke in die Historie des Henschel-Geländes.

Die Führung ist Teil des Blauen Sonntags, den Tagen der Industriekultur in Nordhessen, die noch bis einschließlich Sonntag andauern (siehe Programm rechts). König, der in den Siebzigern zwei Jahre als Facharbeiter im Großmotorenbau bei Henschel tätig war und 30 Jahre an der Uni gearbeitet hat, beleuchtet auch die zivilen Seiten der Firmengeschichte.

In der Blütezeit des Lokomotivbaus, Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, war Henschel europaweit einer der größten Hersteller von Loks, Waggons und anderen Fahrzeugen und damit Arbeitgeber für rund 15.000 Beschäftigte.

Hier bogen damals die Lokomotiven auf das Industriegelände ein: Der Holländische Platz mit Zugang zum Campus. Foto: Dessauer

Im Laufe der Zeit hat sich das Industriegelände in einen Standort für Wissenschaft und Forschung gewandelt und nehme heute einen ähnlichen Stellenwert als Arbeitgeber ein wie damals Henschel, erklärt König den 20 Teilnehmern der ausgebuchten Führung. Vom Verwaltungstrakt der Uni, in dem früher die Firmenleitung von Henschel saß, ging es über das neue Gebäude der Ingenieurswissenschaften zum Sophie-Henschel-Haus sowie ins Campus Center, wo die Führung endete.

Trotz zahlreicher Neubauten ist das Bild des Campus immer noch von den Industriegebäuden der Henschel-Ära geprägt. Wie König erklärt, blieben diese bei der Bombadierung 1943 größtenteils unbeschädigt, wohingegen überwiegend die umliegenden Wohngebiete in der Nordstadt zerstört wurden.

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