40 Geburtshelferinnen versorgen die Mütter von 4000 Babys

In Nordhessen herrscht Hebammen-Notstand

Kassel. „Der Hebammen-Notstand ist in Nordhessen angekommen.“ Die Vorsitzende des Landesverbands der Hessischen Hebammen, Gabriele Kopp aus Kassel, weist auf ein Problem hin, das bislang nur in Südhessen akut war:

Für außerklinische Geburten stehen fast keine Hebammen mehr zur Verfügung. Hausgeburten werden immer seltener. Ein großes Problem ist die Nachversorgung von Wöchnerinnen.

Frauen, die ihr Kind zu Hause zur Welt bringen möchten, können in der Region Kassel nur noch auf drei Hebammen zurückgreifen. Vor zehn Jahren waren es noch zehn. In den 1980er-Jahren haben in der Region 20 Hebammen Hausgeburten begleitet, so Gabriele Kopp. Auch in den Kliniken werden Hebammen knapp. Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft ist zurzeit jede fünfte Hebammenstelle nicht besetzt.

Engpässe gibt es bei der Nachsorge: Insgesamt 40 freiberuflich arbeitende Hebammen bieten diese Dienste in und um Kassel an. Demgegenüber stehen 4000 Babys, die allein im vergangenen Jahr in Kassel zur Welt gekommen sind. „Für Wöchnerinnen ist das eine Katastrophe“, sagt Birgit Möller, Hebamme im Kasseler Geburtshaus. Sie und ihre Kolleginnen seien für die Wochenbettbetreuung auf Monate ausgebucht. Ein bundesweiter Missstand: „In Deutschland bekommen pro Woche zehn Frauen eine Absage für die Wochenbettbetreuung“, sagt Nina Martin, Sprecherin des Deutschen Hebammenverbands.

Hintergrund: Die Beiträge für die Berufshaftpflichtversicherung der freiberuflichen Hebammen war stark angestiegen. Immer mehr Hebammen steigen aus der Geburtshilfe aus, weil sie die Kosten nicht tragen können. Im Juli droht ein weiterer Anstieg. Dann beläuft sich die Prämie auf etwa 7000 Euro im Jahr, siebenmal so viel wie vor zehn Jahren.

Rubriklistenbild: © dpa

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